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Politischer Besuch in der Immanuel Beratung Pankow: Hilfe braucht Verlässlichkeit
Louis Krüger (MdA, Bündnis 90/Die Grünen) besuchte am 23. Januar die Immanuel Beratung Pankow, um über Wege für langfristig wirksame Beratung und den wachsenden Beratungsbedarf im Bezirk zu sprechen.
Am Freitag, den 23. Januar, informierte sich Louis Krüger, direktgewählter Abgeordneter für Pankow-Süd und Heinersdorf (Bündnis 90/Die Grünen), bei einem Besuch über die Arbeit der Immanuel Beratung Pankow. In der Beratungsstelle in der Borkumstraße ging es um Angebote, steigenden Hilfsbedarf – und vor allem um die Frage, was Politik leisten muss, damit psychosoziale Beratung dauerhaft wirksam bleiben kann.
Der Besuch war Teil der Initiative „Gemeinsam mehr erreichen“ des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Ziel ist es, Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses Einblicke in diakonische Einrichtungen vor Ort zu geben und den politischen Unterstützungsbedarf sichtbar zu machen.
Die Immanuel Beratung Pankow bietet ein breites Spektrum an Hilfen: Erziehungs- und Familienberatung, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, Paar- und Lebensberatung, Präventionsangebote für Kinder, Jugendliche und Eltern sowie sexualpädagogische Angebote für Pankower Schulklassen.
Ein zentrales Thema des Austauschs war die derzeit nur einjährige Förderung von Erziehungs- und Familienberatung durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. „Jedes Jahr müssen wir die Finanzierung neu beantragen. Das führt zu befristeten Arbeitsverträgen und ist für die Mitarbeitenden wie für die Organisation insgesamt hoch problematisch“, erklärte Dirk Brigmann, Geschäftsführer der Trägergesellschaft Beratung + Leben. Auch die langfristige Planung von Projekten und Gruppenangeboten leide unter den kurzen Förderzeiträumen, ergänzte Einrichtungsleiterin Anna-Katharina Bretsch.
Gemeinsam plädierten sie für eine institutionelle Finanzierung oder zumindest mehrjährige Fördervereinbarungen von fünf Jahren. „Unsere präventive Arbeit verhindert hohe Folgekosten – sie muss entsprechend langfristig abgesichert werden“, so Brigmann. Louis Krüger zeigte Verständnis und teilte die Einschätzung, dass sich der Beratungsbedarf der Bevölkerung nicht im Jahresrhythmus verändere.
Besonders angespannt ist die personelle Situation im Bezirk Pankow. Nach Senatsrichtwerten fehlen dort in der Erziehungs- und Familienberatung aktuell acht Vollzeitstellen gemessen an der Anzahl der Kinder und Jugendlichen im Bezirk. „Den Bedarf an Beratung spüren wir sehr deutlich in den hohen Anmeldezahlen“, erläuterte Bretsch. „Die Beratung ist aktuell insbesondere durch Corona-Folgen, digitale Medien und Wohnungsnot bei Trennungen geprägt. Gleichzeitig nehmen hochstrittige Trennungen zu, bei denen Beratungen im familiengerichtlichen Kontext empfohlen werden.“
Zudem fangen Erziehungs- und Familienberatungsstellen zunehmend wegfallende Angebote auf – etwa aus der Fachberatung für Frauen, für queere Menschen oder der Suizidprävention – und überbrücken häufig lange Wartezeiten auf Psychotherapieplätze. Im Jahr 2025 habe die Immanuel Beratung Pankow mit allen Angeboten mehr als 1.100 Familien erreicht. „Wir haben oft eine wichtige Brückenfunktion im Hilfesystem“, so Bretsch. „Gerade die enge Verzahnung von Schwangerenberatung und Erziehungs- und Familienberatung ermöglicht es uns, Familien in komplexen Lebenslagen frühzeitig und kontinuierlich zu begleiten“. Aufgrund fehlender Stellen in der Schwangerenberatung sei es derzeit jedoch nicht mehr möglich, dieses kombinierte Angebot wie bisher an zwei Standorten im Bezirk – neben der Borkumstraße auch in Buch - wohnortnah anzubieten.
Ein weiteres drängendes Thema sind die stark gestiegenen Mieten für soziale Einrichtungen in Berlin. „Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir auf Dauer alle Beratungsstellen offenhalten können“, warnte Brigmann.
Louis Krüger betonte die Bedeutung niedrigschwelliger Angebote wie der Immanuel Beratung Pankow, gerade für Kinder und Jugendliche: „Es darf nicht an der Frage scheitern, wohin man sich wenden kann. Solche Angebote verhindern, dass Menschen zwischen den Systemen verloren gehen.“
Zum Abschluss nahm der Abgeordnete Informationsflyer für sein Bürgerbüro mit, um die Angebote der Immanuel Beratung Pankow auch dort bekannt zu machen.


