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Wie Eltern ihren Kindern Halt geben
In der Sendung „Natürlich gesund“ informieren Cathleen Bornowski-Krautz, Diplom-Kommunikationspsychologin, Erziehungs- und Familienberaterin und Einrichtungsleiterin der Immanuel Familien Beratung Reinickendorf und Christian Klähn, Diplom-Sozialpädagoge, Systemischer Familientherapeut, Leiter der Immanuel Familienberatung Lichtenberg darüber, wie Eltern Kindern Halt vor allem in Übergangssituationen wie Schuleintritt, Trennung Halt geben können.
Julia Nogli:
Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich gesund. Ich bin Julia Nogli und unser Thema heißt heute „Wenn alles anders wird, wie Eltern ihren Kindern Halt geben“. Gäste im Studio sind Cathleen Bornowski-Krautz, Diplom-Kommunikationspsychologin, Erziehungs- und Familienberaterin und Einrichtungsleiterin der Emanuel-Familien-Beratung Reinickendorf und Christian Klähn, Diplom-Sozialpädagoge, systemischer Familientherapeut und er leitet die Immanuel Familienberatung Lichtenberg.
Hallo, ich grüße Sie. Hallo Nogli. Hallo.
Ja, Frau Bornowski, fangen wir mit Ihnen mal an. Was ist so eine Familienberatung? Was umfasst die dann?
Cathleen Bornowski-Krautz:
Ja, das ist eine spannende Frage. Wir erleben ganz häufig, dass wir gar nicht so richtig bekannt sind, dass immer wieder, selbst in Gesprächen mit anderen Fachkräften, wir auf erstaunte Blicke treffen, was wir denn eigentlich alles so machen. Also wir sind ein kostenfreies, niedrigschwelliges Angebot für alle Eltern mit Kindern von 0 bis 21 Jahren.
Das ist im Sozialgesetzbuch 8 verankert, dass Eltern Anspruch haben auf so eine Hilfe, also Hilfe zur Erziehung. Wir alle wissen, dass Eltern sein nicht so leicht ist und man da immer wieder an seine Grenzen kommt. Und genau dafür sind wir da, dass für alle Themen, die rund um das Thema Erziehung, Leben mit Kindern auftreten, dafür sind wir Ansprechpartner.
Julia Nogli: Wo in Reinickendorf sitzen Sie?
Cathleen Bornowski-Krautz: Wir haben zwei Standorte. Wir sitzen einmal im Märkischen Viertel und einmal am Franz-Neumann-Platz. Ah, genau. Residenzstraße.
Julia Nogli:
Genau, genau. Und Herr Klähn, ist das bei Ihnen ähnlich, das Angebot?
Christian Klähn:
Genau, wir haben auch zwei Standorte. An einem Standort nochmal ergänzend gibt es ein Familienzentrum, also da geht es auch nochmal darum, dass Menschen, also es ist alles niedrigschwellig, aber insbesondere so in den ganz frühen Elterntagen ein Angebot haben, wo sie mit kleinen Kindern auch hingehen können. Und alle, die zu uns kommen, haben häufig einfach auch Fragen.
Wie machen wir das jetzt? Was kann da irgendwie auch anders sein? Und wir kommen vielleicht mit unseren Möglichkeiten nicht weiter.
Was vielleicht nochmal wichtig wäre, wir haben auch noch ein Pankow- und Marzahn-Beratungsstellen und grundsätzlich sind alle Familienberatungsstellen in allen Bezirken einmal beim Jugendamt angedockt und einmal beim freien Träger und wir von der Immanuel Albertinen Diakonie.
Julia Nogli:
Und ich denke mal, das ist kostenlos für die Menschen, die es in Anspruch nehmen.
Christian Klähn:
Genau, ein kostenloses Angebot wird auch gut angenommen, aber ganz wichtig, niedrigschwellig. Es braucht keinen Antrag. Man muss nicht vorher zum Jugendamt gehen.
Es ist ein gesetzlicher Anspruch, dass Eltern, wenn sie einfach da nicht weiter wissen, zu uns kommen können und wir gemeinsam schauen, was gibt es da an Möglichkeiten, welche eigenen Fähigkeiten, welche eigenen Ressourcen können da irgendwie auch angesprochen werden?
Julia Nogli:
Und das ist ja, Frau Bornowski, Sie haben es auch so gesagt, das ist ja auch keine Schande nachzufragen, weil es gibt nun mal viele Dinge, die schwierig sind. Sie sagten ja vorhin vom Baby an, man kann ein Schreibaby haben, das kann irgendwie anders laufen als bei den anderen und man ist überfordert. Also das ist kein Problem da nachzufragen.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Genau. Und ich glaube, das ist eigentlich die größte Hürde ist im Kopf noch von den meisten Eltern, die das betrifft. Zum Glück gibt es ja heutzutage ja auch schon Wandel oder mehr Bewusstsein dafür, dass wir alle Menschen sind und an unsere Grenzen kommen und gerade in der Erziehung oder im Zusammenleben mit Kindern.
Das liegt in der Natur der Sache. Und das wahrzunehmen ist ja schon mal der erste Punkt. Und dann genau eben zu schauen, wo kann ich mir Unterstützung holen?
Und ein Unterstützungsangebot sind eben wir und eben eins, was sehr zeitnah, sehr niedrigschwellig erreicht werden kann. Und das ist eine große Ressource. Und alle Eltern, die bei uns, die meisten, die bei uns waren, sind dann auch sehr dankbar, zu wissen, genau, hier habe ich schnell Hilfe bekommen.
Meistens reichen ein, zwei, drei Gespräche, um schon erste gute Entlastung zu bringen.
Julia Nogli:
Herr Klähn, wie sind denn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausgebildet? Was haben die für Berufe?
Christian Klähn:
Also es gibt so eine Rahmenvereinbarung. Wir sind ja senatsfinanziert hier aus Berlin und da sind die Qualitätsstandards festgeschrieben. Also alle Mitarbeitenden bei uns sind entweder Sozialpädagogen, Pädagogen, Psychologen und haben alle eine anerkannte therapeutische Weiterbildung.
Das heißt, dass wir uns auch da regelmäßig weiterbilden, insbesondere um einfach auch da die Ratsuchenden gut zu begleiten.
Julia Nogli:
Also auch Sie selbst, wenn jetzt jemand kommt, sagt ja, mein Sohn hat sich total verändert, ist in der Pubertät. Wir streiten nur noch. Brüllt mich an.
Haben Sie einen Rat?
Christian Klähn:
Ja, das ist so ganz einfach. Natürlich, wenn es so einfach wäre, haben wir einfach einen Rat. Wir schauen einfach gemeinsam, was gibt es da an Möglichkeiten?
Also um einfach das nochmal gemeinsam zu verstehen. Was ist da eigentlich auch los? Der Unterschied ist zu dem, was man einfach mal schnell im Internet nachgoogeln kann, dass wir die individuelle Situation angucken.
Also was sind da an Möglichkeiten? Was sind da an Ressourcen? Was gibt es da vielleicht auch an familiäre Unterstützung?
Wie zeigt sich das? Sind die Eltern zusammenleben? Sind sie getrennt?
Häufig sind ja einfach so eine Situation, gerade Pubertät, hatte ich gerade letztens wieder ein Beispiel, dass Eltern, die den Umgang geklärt haben, waren getrennt lebend, hatten ein Wechselmodell und das Kind zunehmend älter werdend, hatte eigene Ideen. Da spielen Freunde eine andere Rolle und wollte sich da einfach selber mit einbringen. Und das kann dann durchaus Eltern auch schon mal so ein bisschen irritieren, gerade wenn die auch getrennt lebend sind.
Und dann begleiten wir die dabei und gucken, ob wir da eine gute Lösung gemeinsam finden können.
Julia Nogli:
Und es ist ja wahrscheinlich immer sinnvoll. Die ganze Familie ist da, aber geht vielleicht nicht immer, oder?
Christian Klähn:
Nicht unbedingt zwingend. Also es ist so wie so ein Vorstellungsfamilie wäre natürlich gut, wenn alle da sind. Aber manchmal reicht es auch aus, wenn wir die anderen einfach auch mitdenken, also gemeinsam zu gucken.
Wir laden natürlich immer auch den anderen Elternteil, versuchen den mit einzuladen oder beziehungsweise die Paare oder auch die Kinder und die Jugendlichen, insbesondere Jugendliche, haben auch die Möglichkeit, zu uns zu kommen. Das ist nochmal wichtig zu erwähnen, dass wir nicht nur für die Erwachsenen da sind, sondern auch für die Jugendlichen. Und denken dann aber natürlich irgendwie die Eltern auch mit und natürlich andere Menschen, die in der Familie wichtig sind.
Das sind ja nicht immer nur die Eltern, das sind ja manchmal auch die Großeltern, Onkel, Tanten. Manchmal gerade in Berlin, wo Familie vielleicht nicht unbedingt so vorhanden ist, da spielt dann einfach auch Freunde und Nachbarn eine große Rolle.
Julia Nogli:
Stimmt ja, da hat sich viel verändert. Natürlich, man hat nicht mehr die Großfamilie, alle sind da, ganze Dorf, erziehen ein Kind, sondern man ist da manchmal total alleine, manche sogar ganz alleine als Alleinerziehende halt. Wir wollen heute auch über so Übergänge sprechen, die da dann manchmal problematisch werden können.
Frau Bornowski, fangen wir mal ganz klein an. Kita, Eingewöhnung ist nicht immer so rosig und leicht.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Nee, gar nicht. Oder ist wie alle Themen und wie alle Übergänge eben ambivalent besetzt vielleicht. Einerseits ist es gerade für Mütter ja ganz häufig, ist es ja vielleicht auch wieder ein Schritt für mehr Autonomie, für mehr eigene Freiräume.
Gleichzeitig muss ich ein Stück loslassen und habe ja nicht mehr das Kind die ganze Zeit im Blick und weiß ja auch manchmal gar nicht, was dann da in der Kita passiert. Das heißt, da geht es ja auch ein Stück um Vertrauen, um loslassen. Und das ist alles gar nicht so leicht.
Julia Nogli:
Es gibt ja auch durchaus Kinder, für die ist gar kein Problem, aber es gibt auch welche, denen da weint, wenn man weggeht und es tut weh. Genau, genau.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Und jedes Kind ist unterschiedlich, jede Familie ist unterschiedlich. Dann gibt es natürlich auch die Voraussetzungen in den Kitas sind auch sehr unterschiedlich. Also genau, das ist ein individueller Prozess und der ist aber eben gar nicht so trivial wie früher war das ja auch so ein gängiges.
Das Kind wird in der Kita abgegeben und gut ist. Da sind wir heutzutage jetzt schon mal ein Stück weiter und wissen Okay, das ist das ist eine Herausforderung und die muss erst mal seelisch, psychisch auch irgendwie bewältigt werden und auch organisatorisch.
Julia Nogli:
Und das wirft Fragen auf. Ja, ein anderes großes Thema, wir haben es eben schon angedeutet, ist Trennung ist nun mal so, dass sich sehr viele Paare, Elternpaare trennen. Und das gibt natürlich noch mal auch neue Herausforderungen.
Welches Modell, wo wohnt man? Ist überhaupt ein Umzug und so? Und da begleiten Sie auch.
Christian Klähn:
Ja, absolut. Also wir haben so circa 40 Prozent unserer Beratungen. Da geht es einfach auch um so Fragen wie Wie organisieren wir uns da?
Wie können wir unser Kind bei Trennung gut begleiten? Wie machen wir das, wenn wir getrennt sind, auch mit unterschiedlichen Wohnungen? Welche Ideen sind da möglich?
Aber das, was Sie auch gerade schon gesagt haben, der Wohnungsmangel in Berlin, der zeigt sich auch in den Fällen, in den Ratsuchenden, die zu uns kommen, dass Menschen auch zunehmend fragen, wie kriegen wir das hin? Wir finden einfach keine Wohnung oder keine passende Wohnung, die zu uns da auch passt. Wie kriegen wir das in einer gemeinsamen Wohnung auch hin?
Und dann ist es natürlich eine große Herausforderung, weil das sind natürlich auch manchmal auch extreme emotionale Situationen, die dann da herrschen, die Familien gut zu begleiten.
Julia Nogli:
Eigentlich nehmen sich ja immer alle vor und denken, es würde nicht in Streit um die Kinder und so weiter aussehen. Aber dann passiert es ja leider doch so oft. Und da erkennen Sie wahrscheinlich auch bestimmte Muster oder auch diese mögliche Beeinflussung des einen Partners oder so und können da irgendwie auch helfen und beraten aus der Erfahrung heraus.
Christian Klähn:
Absolut. Also da ist zum einen erst mal fachlich noch mal erwähnt, alle Erziehungsberatungsstellen in Berlin bieten den „Kinder im Blick“-Kurs an. Es ist ein evaluiertes, zertifiziertes Gruppenangebot für Eltern, die getrennt sind, wo es einfach auch darum geht, Eltern dabei zu begleiten.
Also insbesondere, was ja häufig passiert ist, der Wunsch der anderen Elternteile solle sich doch bitte verändern, damit es den Kindern da auch gut geht. Und da noch mal mehr darauf zu gucken, was kann ich selber auch tun, was kann ich dazu beitragen, ist eine große Herausforderung für viele Eltern.
Julia Nogli:
Ja, Trennung kann aber dann ja auch wieder bedeuten, dass neue Partner hinzukommen, vielleicht auch wieder mit Kindern. Die berühmte Patchwork-Familie, sehr verbreitet inzwischen, kann eine Chance sein, aber auch nicht immer leicht, oder?
Cathleen Bornowski-Krautz:
Das genau erleben wir auch in unseren Beratungen, dass das vermehrt immer wieder ein Thema ist und dass es natürlich noch mal eine ganz andere Komplexität reinbringt. So wie wenn die Einzelfamilie mit dem Einzelkind hat weniger Beziehungen miteinander oder es gibt weniger Beteiligte und dadurch ja weniger Menschen, die sich abstimmen müssen. Je mehr Menschen und je mehr Kinder oder Elternteile dazukommen, desto komplexer wird das Ganze natürlich.
Alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, sich abzustimmen, Entscheidungen zu treffen, das ist dann schon ziemlich herausfordernd und damit haben die Familien zu tun. Und ich würde aber sagen, dass das trotzdem sehr gut gelingen kann, weil das natürlich auch so eine Schule ist, sozusagen dieses Ich-muss-mich-da-im-Kleinen-gut-abstimmen. Das hilft natürlich, glaube ich, gesamtgesellschaftlich dann auch wieder, wenn man das schon mal diese Komplexität verinnerlicht hat, zu sagen, es ist eben nicht so leicht mit so vielen Beteiligten.
Julia Nogli:
Dass es eben auch viel um Erwartungen geht. Neue Partner werden vielleicht enttäuscht sein, dass die Kinder, was total verständlich ist, die erst mal irgendwie ablehnen. Also was kann man da sagen?
Geduld haben?
Cathleen Bornowski-Krautz:
Geduld ist auf jeden Fall das Mittel der Wahl. Das erleben wir auch ganz häufig oder versuchen auch den Eltern, das zu vermitteln, wobei das in der Situation dann, glaube ich, immer gar nicht so leicht ist. Als Elternteil, da spielen auch ganz oft solche Themen eine Rolle wie, bin ich eine gute Mutter, bin ich ein guter Vater?
Wenn ich abgelehnt werde, das ist für alle Elternteile schrecklich. Und das aber zu verstehen, dass die Reaktion des Kindes der Kinder da absolut erwartbar und teilweise auch angemessen ist, weil die müssen ja auch irgendwie mit der neuen Situation zurechtkommen und sich da erst mal zurecht finden. Dann geht es ja auch vielleicht um Sicherheit, Orientierung.
Rituale helfen ganz doll dabei, sich dessen bewusst zu werden. Genau, eine wahnsinnig herausfordernde Situation für alle Beteiligten.
Julia Nogli:
Ja, ich habe eben auch rausgehört, dass es auch Gruppen gibt. Also Gruppensitzungen ist ja auch ganz gut. Dann sieht man auch Menschen, denen geht es ja genauso.
Oder wir tauschen uns ja mal aus.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Auf jeden Fall. Also die Rückmeldungen sind auch immer ganz erfreut, dass Elternteile dann merken, oh, es geht nicht nur mir so, es geht auch anderen so. Also das empfehlen wir Eltern ganz doll, sich zu vernetzen.
Und eben durch diese Gruppenangebote gibt es die Gelegenheit, direkt vor Ort Menschen zu treffen, die in einer gleichen, ähnlichen Situation sind. Und das hilft total.
Julia Nogli:
Ja, Herr Klähn, dann gibt es die Schule, auch einen Übergang. Erst mal überhaupt in die Schule, dann in die Oberschule. Was gibt es da für Probleme und wie können Sie da helfen?
Hat auch wieder viel mit Erwartungen vielleicht zu tun, läuft vielleicht nicht so, wie es sollte.
Christian Klähn:
Viel mit Erwartungen. Natürlich einfach. Da sind einfach Gewohnheiten, die sich ändern.
Und dann ist natürlich auch die Frage, wie sehr sprachfähig, also wie gut gelingt es den Eltern, das abzusprechen, die Kinder da und die Jugendlichen auch dabei zu begleiten. Häufig ist einfach das Thema, gerade in Schule, wenn dort Kinder sich nicht gut angekommen fühlen oder wenn Eltern auch bestimmte Leistungsanforderungen haben, das miteinander einfach nochmal anzugucken. Also was ist da möglich?
Was geht? Was geht nicht? Das ist für die Kinder häufig einfach auch Stresssituationen.
Und dann auch gemeinsam zu überlegen, ist das Schulmodell das geeignete? Gibt es da vielleicht auch was anderes? Wie können Kinder unterstützt werden?
Wie können die Eltern die unterstützen? Also das ist ein sehr häufiges Thema, dass insbesondere auch, wenn Eltern zu uns kommen, wo die Kinder, sagen wir mal, gerade nicht mehr so aktiv im Schulbesuch sind, dass wir auch versuchen, dabei zu begleiten und Möglichkeiten zu suchen.
Julia Nogli:
Schön umschrieben. Nicht mehr so aktiv im Schulbesuch, also dass sie eben einfach oft nicht hingehen oder eben sagen, sie haben Bauchschmerzen oder so weiter oder eben wirklich schwänzen einfach.
Christian Klähn:
Genau, genau. Und dann gibt es ja immer verschiedene Möglichkeiten, die wir uns angucken. Das ist eines natürlich, was in der Schule selber da möglich ist.
Da muss man gucken, wie weit da die Eltern auch Einfluss darauf nehmen können. Aber insbesondere auch nochmal zu sortieren, was ist möglicherweise auch im Elternhaus los? Gibt es da Möglichkeiten, wie die da unterstützen können?
Und wir schauen ja immer nach diesen natürlichen Ressourcen, also natürlichen Möglichkeiten. Gibt es irgendwelche Nachbarn, Freunde, Onkel, Trainer, Trainerinnen, die da irgendwie auch unterstützen können? Gleichzeitig gibt es aber auch manchmal Situationen, wo man einfach sagt, okay, wir brauchen nochmal andere professionelle Hilfe.
Und wobei dann auch gucken, wo wir gegebenenfalls mit den wirklichen Jugendämtern zusammenarbeiten, was es da an Möglichkeiten noch gibt.
Julia Nogli:
Ja, das wollte ich Sie auch fragen. Frau Bornowski, es gibt ja auch spätestens seit Corona, aber auch schon vorher auch psychische Probleme, auch sehr verbreitet, Essstörungen, Magersucht und so oder ein bisschen auch zu Drogen. Da würden Sie auch erst mal beraten und gegebenenfalls weiterleiten, oder?
Genau.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Also wie gesagt, zu uns kommen mit allen Themen kommen. Wenn das auch schon Themen sind, die bekannt sind, dann sind wir auch prinzipiell erst mal Ansprechpartner. Wir haben ja auch Kollegen, die Kinder- und Jugendlichen-Therapeuten sind.
Das heißt, die genau das machen, was ja auch Kollegen prinzipiell in seiner freien Praxis anbieten würden. Gleichzeitig haben wir natürlich sind wir keine therapeutische Leistung. Das heißt, man müsste dann gucken, wenn es einen therapeutischen Bedarf gibt, dann würden wir weitervermitteln.
Aber zur Abklärung oder manchmal gibt es ja Unsicherheiten oder Eltern machen sich Sorgen. Dann sind wir erst mal erste Ansprechpartnerinnen und können, wie gesagt, gemeinsam mit der Familie schauen. Genau.
Es gibt ja manchmal Situationen, wo es eher vielleicht ein Ausdruck von einer Konfliktbewältigung ist. Und manchmal aber sind es dann genau oder die Gefahr besteht ja, wenn das ein Konfliktlöse Mittel ist, dass dann sich daraus was chronifiziert. Und da müsste man natürlich dann gegensteuern.
Aber das können wir mit den Familien und Eltern gemeinsam besprechen.
Julia Nogli:
Also generell gilt, Herr Klähn, so früh wie möglich doch kommen. Aber wie kommen die Leute auf Sie? Wie kommen die überhaupt darauf, dass man dahin gehen kann?
Ist ja wirklich nicht jedem bekannt.
Christian Klähn:
Ja, absolut. Wir sind natürlich dabei, auch Werbung zu machen, wobei wir natürlich bei Werbung immer ein bisschen vorsichtig sein müssen. Es ist jetzt nicht so, dass wir da sitzen müssen und Däumchen drehen, sondern tatsächlich andersrum.
Es gibt viele Beratungsstellen, die tatsächlich auch Wartelisten mittlerweile führen müssen. Das hat einfach damit zu tun, dass die anderen Unterstützungseinrichtungen wie Tageskliniken oder auch Therapieplätze, dass die häufig fehlen oder so lange dauern und dass wir versuchen, das Ganze zu begleiten. Und das uns auch ein bisschen herausfordert, da auch dem Ganzen gerecht zu werden.
Also da merkt man deutlich auch eine Veränderung in den Hilfesystemen. Und grundsätzlich aber können die Menschen zu uns kommen, sie können anrufen, sie können eine Mail schreiben. Es gibt die Seite efb-berlin, wo alle Beratungsstellen auch gelistet sind.
Im Internet findet man uns. Wir bieten auch die Online-Beratung an. Also wenn es darum geht, möglicherweise auch erst mal nur so sich anonym zu melden und da auch zu begleiten.
Also vielfältige Wege. Wir rufen zurück oder wir schreiben zurück und gucken dann, inwieweit wir da auch zeitnah Termine anbieten können.
Julia Nogli:
Muss ich da dann in die in meinem Bezirk gehen oder könnte ich theoretisch, wenn woanders ein Platz frei ist, woanders hin? Oder wie ist das? Genau.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Das ist das Schöne in Berlin, dass da die Eltern die Möglichkeit haben, bezirksübergreifend sich eine Beratungsstelle zu suchen, zumindest bei den freien Trägern. Die kommunalen Beratungsstellen können nur Eltern beraten, die direkt im Bezirk wohnen. Wir haben die Möglichkeit, Eltern aus allen Bezirken in Berlin zu beraten.
Wir haben ja auch noch unsere Beratungsstelle in Brandenburg, die Kollegin in Zehdenick. Da ist es tatsächlich an den Wohnort gebunden. Das heißt, da in dem Landkreis, wo ich wohne, dann ist die Beratungsstelle zuständig, die da im Landkreis vor Ort ist.
Julia Nogli:
Okay, aber hier könnte man gucken. Vielleicht ist es irgendwo nicht ganz so lang. Das stimmt.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Wir in Reinickendorf sind ja ein bisschen weiter am Rand von Berlin und haben tatsächlich immer mal eher noch Kapazitäten.
Julia Nogli:
Genau, und sie machen ja alle das Gleiche, haben die gleiche Ausbildung. Ja, sie hatten im Vorfeld schon die Botschaft formuliert, Eltern sein ist eine Herausforderung, die wir gesellschaftlich wuppen müssen. Herr Klähn, wie ist es zu verstehen?
Christian Klähn:
Ja, also genau das, was Familien ja tun, ist einfach eine Leistung oder ist die nächste Generation irgendwie auch zu begleiten. Und je mehr Familien da auch bei gut unterstützt werden, desto besser gelingt dann auch die Übergänge und der Wandel, der uns dann auch noch bevorsteht. Und was häufig einfach passiert, was wir immer wieder feststellen, sind ja so in diesem Kleinen, dass Familien einfach an ihre Kapazitätsgrenzen, an ihre Krisen kommen, aber die dabei einfach auch gut zu begleiten, also auch schon mal ein bisschen größer zu denken.
Was sind da so an kleinen Möglichkeiten? Familien sind da total gefordert und auch belastet. Viele Familien gelingt es, aber es gibt auch viele Familien, die da einfach an ihre Grenzen kommen.
Also sowas wie Nachbarschaftshilfe, Freundeskreis, die einfach eine große Rolle spielen. Also einfach den Blick auch darauf, auf die Familien zu richten. Wie weit können die im Alltag unterstützt werden?
Also aktiv nachzufragen. Brauchst du in irgendeiner Form eine Unterstützung? Willst du gerne auch mal?
Sollen wir auf deine Kinder aufpassen für einen kleinen Moment? Das sind wichtige Botschaften. Gerade junge Familien sind nicht von sich aus so, dass sie sich alleine melden.
Arbeitgeber, da ist auch viel passiert schon, aber auch flexibler reagieren, also nicht bloß die gesetzlich vorgegebenen Elternzeit-Modelle, sondern auch zu gucken, wie können Familien da auch unterstützt werden, gerade wenn die Kinder krank werden, was häufig genug auch passiert ist, dass Lehrer, Erzieherinnen in der Schule oder auch in der Kita nicht da sind und Eltern regelmäßig gefordert werden, dann so Arbeit und Familie unter den Hut zu kriegen. Und das ist sehr, sehr fordernd. Und da fehlt vielen dann auch nochmal die Energie, möglicherweise auch nochmal politisch aktiv zu werden und zu sagen, das ist unsere Botschaft.
Sondern da ist schon auch unser Appell, dass da auch aktiv auf Familien mit Angeboten drauf zugegangen wird.
Julia Nogli:
Also eigentlich an jeden. Das fand ich gut gerade. Also auch Nachbarn einfach mal fragen.
Kann ich helfen? Macht ja auch Spaß, mal auf Kinder aufzupassen.
Cathleen Bornowski-Krautz:
Genau. Ich glaube, das ist ja auch so ein gesamtgesellschaftliches Thema, dass es uns ja allen gut tut, wenn wir aufeinander schauen und eben aber besonders eben auch Familien, weil die einfach nochmal mehr zu wuppen haben, weil die Kinder zu begleiten, Kinder zu helfen, groß zu werden, das macht sich nicht nebenbei.
Julia Nogli:
Familien unterstützen, das haben Frau Bornowski und Herr Klähn Immanuel Familieneberatungen hier bei uns auf www.paradiso.de in der Mediathek unter Natürlich gesund. Einen schönen und entspannten Abend für Sie mit Radio Paradiso.
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Was machen Stadtteilzentren?
In der Sendung „Natürlich gesund“ berichten Sozialarbeiterin Ina Fuchs vom Immanuel Stadtteilzentrum Schöneberg und Sozialarbeiter Marius Hörninger vom Immanuel Stadtteilzentrum Borsigwalde von den Angeboten und Aufgaben der Stadtteilzentren.
Julia Nogli:
Sie sind bei Radio Paradiso mit Natürlich gesund. Ich bin Julia Nogli und das Thema ist heute "Was machen Stadtteilzentren"? Gäste im Studio sind Ina Fuchs. Sie ist Sozialarbeiterin im Immanuel Stadtteilzentrum Schöneberg und Marius Hörning, Sozialarbeiter im Immanuel Stadtteilzentrum Borsigwalde. Hallo, ich grüße Sie beide. Hallo.
Hallo Frau Fuchs, wir fangen mit Ihnen mal an. Was ist das eigentlich ein Stadtteilzentrum?
Ina Fuchs:
Ein Stadtteilzentrum ist ein offener Ort der Begegnung, der es ermöglicht, Menschen im Kiez zueinander zu führen, Angebote wahrzunehmen und Bedarfe, die im Kiez sichtbar werden, die ganz unterschiedlich sein können, aufzufangen oder entgegenzuwirken und auch Gruppen und Initiativen, Räume zu schaffen, die sich treffen wollen, die Initiativen groß machen möchten oder die zum Beispiel auch so was wie Selbsthilfegruppen für Räume, also Räume brauchen für Selbsthilfegruppen. Genau, sowas bieten wir an und es ist schwierig, das so in einem Satz zu erklären, weil es ganz unterschiedlich sein kann und sich immer so ein bisschen danach richtet, was denn das jeweilige Kiez so braucht. Und Sie sind ja in Schöneberg.
Richtig.
Julia Nogli:
Und wie lange sind Sie selbst dort schon tätig?
Ina Fuchs:
Ich bin mit Eröffnung des Stadtteilzentrums letztes Jahr im Mai dazu gestoßen und damit ist eigentlich auch erst die Arbeit richtig losgegangen. Das ist noch so frisch. Genau und deswegen würde ich auch sagen, dass wir uns noch im Aufbau befinden und auch immer noch dabei sind, den Kiez besser kennenzulernen und die Gruppen und ehrenamtlichen Personen und Initiativen, die so langsam auf uns zukommen, auch kennenzulernen und ein Bild von Schöneberg zu bekommen.
Julia Nogli:
Herr Hörning, Sie wiederum sind in Borsigwalde. Auch schon länger oder und was ist da vielleicht anders?
Marius Hörning:
Ich bin seit zwei Jahren in Borsigwalde, habe da angefangen mit meiner Kollegin Claudia, wir machen das im Co, die Koordination. Und ja, da gab es das Stadtteilzentrum noch nicht so ganz. Da war es noch ein bisschen eine Baustelle und ein halbes Jahr später haben wir es eröffnet.
Aber in der Zeit konnten wir die Zeit nutzen, sind wir mit dem Lastenrad durch den Kiez, also durch Borsigwalde, haben die Leute kennengelernt, haben genetzwerkt, haben andere Akteure kennengelernt und haben erst mal den Bezirk, den Ortsteil Borsigwalde kennengelernt und dann haben wir ein halbes Jahr später eröffnet mit einem schönen großen Fest. Da hat auch die Bezirksbürgermeisterin geredet und zum Beispiel die Big Band von der Benjamin Franklin Schule. Das ist eine Oberschule, die hat bei uns gespielt zur Eröffnung.
Also haben wir den Kiez gleich mit eingebunden zur Eröffnung. Ja, und dann haben wir mit Angeboten gestartet.
Julia Nogli:
Genau. Und wie erfahren jetzt, außer wenn man natürlich zu so einem Fest eingeladen ist oder da vorbeikommt, aber wie erfahren die Menschen, dass es sie da gibt und was man bei ihnen machen kann? Ist da eine offene Tür?
Marius Hörning:
Ja, also in der Zeit, wie gesagt, als das Stadtteilzentrum noch nicht da war, sind wir mit dem Lastenrad durch Borsigwalde, haben uns auch dahingestellt und haben versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sind zu anderen Akteuren gegangen, zum lokalen Fußballverein, zu den Gemeinden sind wir gegangen, haben die kennengelernt, um den Kiez kennenzulernen, um gleich uns zu vernetzen und zu gucken, was wir hier machen können.
So, ja, und dann haben wir begonnen, erst mal mit niedrigschwelligen Angeboten. Und das Besondere am Stadtteilzentrum ist ja auch, dass man nicht nur an Angeboten teilnehmen kann, sondern man kann auch seine Ideen selber einbringen und eigene Angebote machen. Und wir sind jetzt seit eineinhalb Jahren dabei und viele Angebote, die es bei uns gibt, die machen nicht wir, sondern die machen die Besucherinnen und Besucher.
Julia Nogli:
Was sind das so für Sachen?
Marius Hörning:
Spielenachmittag, eine Handarbeitsrunde, aber auch werden wir bei Angeboten unterstützt, zum Beispiel bei Events. Letztes Jahr haben wir bei der Fete de la Musique gemacht und ohne die ganzen Ehrenamtlichen wäre das gar nicht möglich gewesen, weil sie uns tatkräftig bei dem Fest unterstützt haben.
Julia Nogli:
Also haben vor der Tür Bands gespielt, oder?
Marius Hörning:
Ja, wir haben einen Vorplatz bei uns und haben eine Bühne aufgebaut und dann haben wir Bands gespielt. Ja, wir haben Waffeln verkauft und das war ein sehr schönes Event. Und dieses Jahr nehmen wir auch wieder daran teil, weil es letztes Jahr so schön war.
Julia Nogli:
Ja, Frau Fuchs, wenn man das so hört, denkt man, wenn es das nicht gäbe, müsste man es erfinden. Also das ist schon eine total sinnvolle Sache. Und ist es bei Ihnen jetzt schon so ein bisschen angelaufen oder sind Sie immer noch mehr im Aufbau oder sind schon Leute da?
Ina Fuchs:
Ja, Schöneberg ist ein total belebter Kiez, was sehr schnell die Lust hatte, sich einzubringen und den Weg zu uns gesucht hat. Und dadurch sind jetzt schon Gruppen entstanden wie auch Handarbeitsgruppen, äthiopisches Essen, Strickgruppen, ein polnisches Familiencafé. Also wirklich ganz unterschiedlich, aber auch eben Initiativen wie zum Beispiel Kinderschutzbeauftragte in Sportvereinen, die sich treffen und Fallsupervision machen und dann nicht unbedingt jetzt ein Angebot für alle sind, aber trotzdem die Räume nutzen.
Julia Nogli:
Okay. Und machen Sie auch so was selber wie Mietberatung oder so was?
Ina Fuchs:
Ja, wir haben jetzt seit einem halben Jahr eine kostenlose Rechtsberatung.
Die Irina Renner bietet auch wirklich ganz tolle Rechtsgebiete an. Also es ist ein sehr großer Mehrwert für Berlin, würde ich fast schon sagen, weil viele aus unterschiedlichen Bereichen aus Berlin auch das Angebot nutzen. Wir haben auch eine Schreib- und Verweisberatung sowie...
Was ist das? Das ist, die Herausforderung besteht ja ganz oft darin, dass man erst mal vor so Anträgen sitzt und sich denkt, was soll ich da eigentlich einfüllen, ausfüllen? Und das ist so die Schreibberatung dahinter, vielleicht auch für Personen, die grundsätzlich irgendwie Schwierigkeiten haben, Deutsch zu verstehen.
Und Verweisberatung ist auch die richtungweisende Beratung zu sagen, mit diesem Anliegen können Sie an die und die Stelle oder an die und die Beratungsstelle, dass die Person erst mal so eine gewisse Form von Orientierung und erste Unterstützung erhält. Genau. Und wir haben jetzt zum Beispiel auch eine ganz tolle Ehrenamtlerin, die ehemalige Supervisorin und Beraterin ist und jetzt einfach Lust hat, ehrenamtlich und kostenlos psychosoziale Beratung bei uns anzubieten.
Also gerade das Beratungsangebot wächst stetig.
Julia Nogli:
Ist das bei Ihnen auch so? Vermutlich mal ein Borsigwalde?
Marius Hörning:
Ja, wir haben auch einige Beratungsangebote. Wir haben eine wöchentliche Sozialberatung, eine monatliche Berufsberatung. Dann gibt es bei uns auch eine Familienberatung, weil unser Träger macht selbst eine Familienberatung und da haben wir dann einfach Kolleginnen und Kollegen, die bei uns einmal die Woche zu uns kommen und eine Familienberatung machen und zwei Kollegen machen dann noch zusätzlich alle zwei Wochen eine Vätersprechstunde.
Ja, und ja, Sozialberatung findet eigentlich jeden Tag da statt. Also Besucherinnen und Besucher kommen mit Fragen und da machen wir auch Tür- und Angelberatung. Und was auch ganz wichtig ist, ist Tür- und Angelberatung.
Einfach so zwischendurch. Es ist ein Frühstück und dann kommen sie mit uns, haben sie Fragen und dann versuchen wir da zu unterstützen.
Julia Nogli:
Und nicht lange auf einen Termin warten, wochenlang oder so.
Marius Hörning:
Wir können auch manchmal, wenn die Kapazitäten da sind, Termine machen. Also das machen wir auch. Ansonsten sind wir ja im Bezirk Reinickendorf gut vernetzt und wir wissen, wo es was gibt.
Also vermitteln wir auch Besucherinnen und Besuchern mit ihren Anfragen. Wenn es zum Beispiel um Pflege geht, haben wir eine Mitarbeiterin, die sich da auskennt im Träger oder vermittelt zum Pflegestützpunkt und zu allen anderen Stellen die Not, die sie brauchen.
Julia Nogli:
Und das Ganze aber auch, wie man richtig rausfährt in der angenehmen Atmosphäre. Also man merkt richtig, Sie arbeiten da auch gerne. Sind Sie da jeden Tag und Ihre Kollegen?
Marius Hörning:
Ja, wir sind jeden Tag da. Ja, wir arbeiten auch gerne da, also sehr gerne sogar. Natürlich gibt es auch Herausforderungen mit Besucherinnen und Besuchern.
So ist es nicht. Aber das gehört halt dazu. Wir sind halt Menschen und finden da immer den besten Weg.
Aber ich glaube, ich kann auch für meine Kolleginnen und Kollegen sprechen, dass wir sehr gerne da arbeiten.
Julia Nogli:
Ja, Frau Fuchs, bei Ihnen ist das jetzt alles ja noch so neu, aber es läuft an. Vielleicht dadurch, dass es Schöneberg ist, haben Sie ja vorhin auch gesagt, mehr Menschen mit Migrationshintergrund, aber kommen auch wirklich gemischt alle irgendwie zu Ihnen, die sich trauen.
Ina Fuchs:
Ja, auf jeden Fall. Genau, also Trauen ist vielleicht ein gutes Stichwort, weil ich glaube, dass noch viel mehr Menschen Stadtteilarbeit in Anspruch nehmen dürfen, weil Begegnungen und kleine Unterstützung und vielleicht auch einfach mal ein nettes Gespräch mit einem Nachbarn total gut sein kann, ohne direkt von gesellschaftlichen Benachteiligungen aktiv betroffen zu sein. Also das ist auch eine ganz große Einladung, dass Stadtteilzentren für alle da sind und für alle irgendwie einen schönen Ort darstellen können.
Und ich denke, es liegt ein bisschen auf der Hand, dass SeniorInnen, die einfach ein bisschen mehr Zeit haben, ganz schnell ein Stadtteilzentrum finden. Aber auch gut so.
Julia Nogli:
Die sind ja oft auch einsam oder so.
Ina Fuchs:
Genau. Und ja, und doch dürfen es auch immer mehr werden. Wobei auch das Klientel einfach je nach Gruppe auch ganz, ganz unterschiedlich ist.
Julia Nogli:
Na, das wäre ganz gut. Haben Sie auch sozusagen so Stammgäste, die da immer mal auf einen Kaffee kommen oder so, was auch okay ist?
Ina Fuchs:
Ja, definitiv. Also wir freuen uns immer darüber, weil es einfach so ein bisschen dieses Kiezgefühl so bestärkt, dass wir an einem Ort sind, wo die Leute direkt mal vorbeikommen können. Und das ist so eine Leichtigkeit betont.
Und da wachsen immer mehr Menschen dahin zu sagen, ich bin auf jeden Fall mindestens einmal die Woche da. Und da freuen wir uns immer ganz doll drüber.
Julia Nogli:
Das kommt offenbar wirklich gut an und Beratungsbedarf gibt es ja wahrlich viel bei den Menschen. Nun ist es ja von der Beratung plus Leben ist sozusagen der Träger. Also dadurch wird es ermöglicht, dass sie sozusagen bezahlt werden und auch, dass die Leute diese Beratung gar nicht bezahlen müssen.
Nein, es ist dann kostenfrei alles.
Marius Hörning:
Ja, es ist alles kostenfrei. Ja, die meisten Beratungen werden durch Mitarbeitende, Kolleginnen von unserem Träger bereitgestellt. Also ich mache auch zum Beispiel Sozialberatung.
Von der Familienberatung kommen Kolleginnen und Kollegen von der EFB. Aber es gibt auch Kooperationen. Zum Beispiel die Berufsberatung ist auch umsonst und es macht Beratung und Bildung in Berlin.
Und das ist aber, die machen das auch kostenfrei so. Aber in der Regel sind alle Angebote bei uns kostenfrei. Höchstens mal beim Malangebot, wenn dann die ehrenamtliche Dinge mitbringt.
Also dann sind da Sachkosten. Bitten wir darum.
Julia Nogli:
Frau Fuchs, warum glauben Sie, das sind ja jetzt zwei relativ neue Stadtteilzentren, wahrscheinlich gibt es noch mehr oder werden noch mehr etabliert, der Träger Beratung + Leben. Warum? Was ist der Gedanke, so etwas hinzustellen?
Ihre Gehälter zu bezahlen, den Leuten kostenlos sowas anzubieten, so eine Beratung zum Beispiel oder einen Kaffee trinken?
Ina Fuchs:
Ergänzend muss man dazu sagen, dass es in Kooperation mit der Senatsverwaltung ins Leben gerufen wird. Ohne die Förderung der Senatsverwaltung könnte es die Stadtteilzentren nicht geben. Und ich glaube, dass es ein gemeinsames Ziel ist, gegen Einsamkeit zu wirken und vor allen Dingen den Fokus auf Gemeinschaft und Demokratie zu lenken.
Und die Senatsverwaltung hofft, einfach immer mehr Stadtteilzentren auch in Berlin gründen zu können, weil es ein bewährtes Konzept ist, Menschen zusammenzubringen und vor allen Dingen, wie sich ja in beiden Stadtteilzentren zeigt, Ehrenamt zu vereinen und wieder sichtbar zu machen, dass wir miteinander ganz viele schöne Dinge schaffen können und dass wir aus dieser gesellschaftlichen Spaltung rauskommen und es sich gut anfühlt, wenn jemand aus dem Kiez sagt Hey, ich habe Lust, einen Spaziergang zu machen und damit Menschen erreicht, die sagen Ach ja, ich wollte schon immer mal wieder mal irgendwie anders durch Schöneberg gehen. Und so entsteht, glaube ich, für die Gesellschaft ein ganz, ganz großer Mehrwert.
Julia Nogli:
Würden Sie das auch so bestätigen?
Marius Hörning:
Ja, ich würde das auch so bestätigen. Und man merkt auch wirklich bei der Arbeit, zu uns kommen die Menschen und die lernen sich bei uns kennen, obwohl sie nebeneinander wohnen. So und das ist bei uns wirklich vorgekommen, dass da Nachbarinnen sind, die sich auf der Straße begegnet sind und nie ein Wort gewechselt haben.
Bei uns haben sie sich dann kennengelernt und verabreden sich jetzt schon außerhalb des Stadtteilzentrum. Ja, genau so ist gedacht, die zusammengebracht. So und das war schon so.
Und wir haben auch Besucherinnen, die fast täglich kommen. Also es wird auch gesagt, das ist ihr zweites Zuhause und ist wie eine zweite Familie. Also man merkt das richtig, was für einen Einfluss das hat, auch auf die Umgebung, dass man sie wirklich zusammenbringt und dann auch Sachen entstehen.
Also das ist ja toll.
Julia Nogli:
Freut sich Marius Hörning, Sozialarbeiter im Immanuel Stadtzentrum Borsigwalde. Dieses und auch das relativ neue Immanuel Stadtteilzentrum in Schöneberg haben wir heute vorgestellt. Das Besondere an diesen Stadtteilzentren ist also nicht nur, dass man an Angeboten, etwa Beratungen teilnehmen kann, sondern auch eigene Ideen für Aktionen einbringen kann.
Mehr Infos zu all dem hier auf www.paradiso.de in unserer Mediathek unter Natürlich gesund. Einen schönen und gemütlichen Abend für Sie mit Radio Paradiso.
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