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Der Start in die Kita oder Schule, die Pubertät, eine Trennung oder das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie: Veränderungen gehören zum Familienleben – und können Kinder wie Eltern ganz schön fordern. Genau hier können Erziehungs- und Familienberatungsstellen unterstützend zur Seite stehen.

In der Sendung „Natürlich gesund“ bei Radio Paradiso sprechen Cathleen Bornowski-Krautz, Leiterin der Immanuel Beratung Reinickendorf, und Christian Klähn, Leiter der Immanuel Beratung Lichtenberg, darüber, was Familien in solchen Übergangsphasen helfen kann. Sie erklären, warum jedes Kind und jede Familie anders mit Veränderungen umgeht, weshalb Geduld, Orientierung und verlässliche Beziehungen so wichtig sind und wann es sinnvoll sein kann, sich Unterstützung zu holen.

Dabei machen die beiden deutlich: Erziehungs- und Familienberatung ist nicht erst für große Krisen da. Das Angebot ist kostenfrei und niedrigschwellig, ein Antrag beim Jugendamt ist nicht nötig. Oft können schon wenige Gespräche dabei helfen, eine Situation neu zu sortieren und erste Entlastung zu schaffen.

Im Gespräch geht es außerdem um Trennungen und Patchworkfamilien, Herausforderungen rund um Schule und Pubertät sowie um die Frage, wie Eltern und Kinder mit psychischen Belastungen umgehen können. Die Beratenden schauen dabei nicht nach Standardlösungen, sondern gemeinsam mit den Familien darauf, welche Möglichkeiten und Ressourcen in ihrer ganz persönlichen Situation vorhanden sind.

Eine zentrale Botschaft der Sendung geht über die einzelne Familie hinaus: Familien zu unterstützen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch Nachbarschaft, Freundeskreis, Arbeitgeber und andere Menschen im Umfeld können dazu beitragen, Eltern im Alltag zu entlasten. Denn Kinder beim Großwerden zu begleiten, „macht sich nicht nebenbei“, wie Cathleen Bornowski-Krautz im Gespräch sagt.

Wie Eltern ihren Kindern Halt geben

In der Sendung „Natürlich gesund“ informieren Cathleen Bornowski-Krautz, Diplom-Kommunikationspsychologin, Erziehungs- und Familienberaterin und Einrichtungsleiterin der Immanuel Familien Beratung Reinickendorf und Christian Klähn, Diplom-Sozialpädagoge, Systemischer Familientherapeut, Leiter der Immanuel Familienberatung Lichtenberg darüber, wie Eltern Kindern Halt vor allem in Übergangssituationen wie Schuleintritt, Trennung Halt geben können.

Julia Nogli:

Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich gesund. Ich bin Julia Nogli und unser Thema heißt heute „Wenn alles anders wird, wie Eltern ihren Kindern Halt geben“. Gäste im Studio sind Cathleen Bornowski-Krautz, Diplom-Kommunikationspsychologin, Erziehungs- und Familienberaterin und Einrichtungsleiterin der Emanuel-Familien-Beratung Reinickendorf und Christian Klähn, Diplom-Sozialpädagoge, systemischer Familientherapeut und er leitet die Immanuel Familienberatung Lichtenberg.

Hallo, ich grüße Sie. Hallo Nogli. Hallo.

Ja, Frau Bornowski, fangen wir mit Ihnen mal an. Was ist so eine Familienberatung? Was umfasst die dann?

Cathleen Bornowski-Krautz:

Ja, das ist eine spannende Frage. Wir erleben ganz häufig, dass wir gar nicht so richtig bekannt sind, dass immer wieder, selbst in Gesprächen mit anderen Fachkräften, wir auf erstaunte Blicke treffen, was wir denn eigentlich alles so machen. Also wir sind ein kostenfreies, niedrigschwelliges Angebot für alle Eltern mit Kindern von 0 bis 21 Jahren.

Das ist im Sozialgesetzbuch 8 verankert, dass Eltern Anspruch haben auf so eine Hilfe, also Hilfe zur Erziehung. Wir alle wissen, dass Eltern sein nicht so leicht ist und man da immer wieder an seine Grenzen kommt. Und genau dafür sind wir da, dass für alle Themen, die rund um das Thema Erziehung, Leben mit Kindern auftreten, dafür sind wir Ansprechpartner.

Julia Nogli: Wo in Reinickendorf sitzen Sie?

Cathleen Bornowski-Krautz: Wir haben zwei Standorte. Wir sitzen einmal im Märkischen Viertel und einmal am Franz-Neumann-Platz. Ah, genau. Residenzstraße.

Julia Nogli:

Genau, genau. Und Herr Klähn, ist das bei Ihnen ähnlich, das Angebot?

Christian Klähn:

Genau, wir haben auch zwei Standorte. An einem Standort nochmal ergänzend gibt es ein Familienzentrum, also da geht es auch nochmal darum, dass Menschen, also es ist alles niedrigschwellig, aber insbesondere so in den ganz frühen Elterntagen ein Angebot haben, wo sie mit kleinen Kindern auch hingehen können. Und alle, die zu uns kommen, haben häufig einfach auch Fragen.

Wie machen wir das jetzt? Was kann da irgendwie auch anders sein? Und wir kommen vielleicht mit unseren Möglichkeiten nicht weiter.

Was vielleicht nochmal wichtig wäre, wir haben auch noch ein Pankow- und Marzahn-Beratungsstellen und grundsätzlich sind alle Familienberatungsstellen in allen Bezirken einmal beim Jugendamt angedockt und einmal beim freien Träger und wir von der Immanuel Albertinen Diakonie.

Julia Nogli:

Und ich denke mal, das ist kostenlos für die Menschen, die es in Anspruch nehmen.

Christian Klähn:

Genau, ein kostenloses Angebot wird auch gut angenommen, aber ganz wichtig, niedrigschwellig. Es braucht keinen Antrag. Man muss nicht vorher zum Jugendamt gehen.

Es ist ein gesetzlicher Anspruch, dass Eltern, wenn sie einfach da nicht weiter wissen, zu uns kommen können und wir gemeinsam schauen, was gibt es da an Möglichkeiten, welche eigenen Fähigkeiten, welche eigenen Ressourcen können da irgendwie auch angesprochen werden?

Julia Nogli:

Und das ist ja, Frau Bornowski, Sie haben es auch so gesagt, das ist ja auch keine Schande nachzufragen, weil es gibt nun mal viele Dinge, die schwierig sind. Sie sagten ja vorhin vom Baby an, man kann ein Schreibaby haben, das kann irgendwie anders laufen als bei den anderen und man ist überfordert. Also das ist kein Problem da nachzufragen.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Genau. Und ich glaube, das ist eigentlich die größte Hürde ist im Kopf noch von den meisten Eltern, die das betrifft. Zum Glück gibt es ja heutzutage ja auch schon Wandel oder mehr Bewusstsein dafür, dass wir alle Menschen sind und an unsere Grenzen kommen und gerade in der Erziehung oder im Zusammenleben mit Kindern.

Das liegt in der Natur der Sache. Und das wahrzunehmen ist ja schon mal der erste Punkt. Und dann genau eben zu schauen, wo kann ich mir Unterstützung holen?

Und ein Unterstützungsangebot sind eben wir und eben eins, was sehr zeitnah, sehr niedrigschwellig erreicht werden kann. Und das ist eine große Ressource. Und alle Eltern, die bei uns, die meisten, die bei uns waren, sind dann auch sehr dankbar, zu wissen, genau, hier habe ich schnell Hilfe bekommen.

Meistens reichen ein, zwei, drei Gespräche, um schon erste gute Entlastung zu bringen.

Julia Nogli:

Herr Klähn, wie sind denn die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausgebildet? Was haben die für Berufe?

Christian Klähn:

Also es gibt so eine Rahmenvereinbarung. Wir sind ja senatsfinanziert hier aus Berlin und da sind die Qualitätsstandards festgeschrieben. Also alle Mitarbeitenden bei uns sind entweder Sozialpädagogen, Pädagogen, Psychologen und haben alle eine anerkannte therapeutische Weiterbildung.

Das heißt, dass wir uns auch da regelmäßig weiterbilden, insbesondere um einfach auch da die Ratsuchenden gut zu begleiten.

Julia Nogli:

Also auch Sie selbst, wenn jetzt jemand kommt, sagt ja, mein Sohn hat sich total verändert, ist in der Pubertät. Wir streiten nur noch. Brüllt mich an.

Haben Sie einen Rat?

Christian Klähn:

Ja, das ist so ganz einfach. Natürlich, wenn es so einfach wäre, haben wir einfach einen Rat. Wir schauen einfach gemeinsam, was gibt es da an Möglichkeiten?

Also um einfach das nochmal gemeinsam zu verstehen. Was ist da eigentlich auch los? Der Unterschied ist zu dem, was man einfach mal schnell im Internet nachgoogeln kann, dass wir die individuelle Situation angucken.

Also was sind da an Möglichkeiten? Was sind da an Ressourcen? Was gibt es da vielleicht auch an familiäre Unterstützung?

Wie zeigt sich das? Sind die Eltern zusammenleben? Sind sie getrennt?

Häufig sind ja einfach so eine Situation, gerade Pubertät, hatte ich gerade letztens wieder ein Beispiel, dass Eltern, die den Umgang geklärt haben, waren getrennt lebend, hatten ein Wechselmodell und das Kind zunehmend älter werdend, hatte eigene Ideen. Da spielen Freunde eine andere Rolle und wollte sich da einfach selber mit einbringen. Und das kann dann durchaus Eltern auch schon mal so ein bisschen irritieren, gerade wenn die auch getrennt lebend sind.

Und dann begleiten wir die dabei und gucken, ob wir da eine gute Lösung gemeinsam finden können.

Julia Nogli:

Und es ist ja wahrscheinlich immer sinnvoll. Die ganze Familie ist da, aber geht vielleicht nicht immer, oder?

Christian Klähn:

Nicht unbedingt zwingend. Also es ist so wie so ein Vorstellungsfamilie wäre natürlich gut, wenn alle da sind. Aber manchmal reicht es auch aus, wenn wir die anderen einfach auch mitdenken, also gemeinsam zu gucken.

Wir laden natürlich immer auch den anderen Elternteil, versuchen den mit einzuladen oder beziehungsweise die Paare oder auch die Kinder und die Jugendlichen, insbesondere Jugendliche, haben auch die Möglichkeit, zu uns zu kommen. Das ist nochmal wichtig zu erwähnen, dass wir nicht nur für die Erwachsenen da sind, sondern auch für die Jugendlichen. Und denken dann aber natürlich irgendwie die Eltern auch mit und natürlich andere Menschen, die in der Familie wichtig sind.

Das sind ja nicht immer nur die Eltern, das sind ja manchmal auch die Großeltern, Onkel, Tanten. Manchmal gerade in Berlin, wo Familie vielleicht nicht unbedingt so vorhanden ist, da spielt dann einfach auch Freunde und Nachbarn eine große Rolle.

Julia Nogli:

Stimmt ja, da hat sich viel verändert. Natürlich, man hat nicht mehr die Großfamilie, alle sind da, ganze Dorf, erziehen ein Kind, sondern man ist da manchmal total alleine, manche sogar ganz alleine als Alleinerziehende halt. Wir wollen heute auch über so Übergänge sprechen, die da dann manchmal problematisch werden können.

Frau Bornowski, fangen wir mal ganz klein an. Kita, Eingewöhnung ist nicht immer so rosig und leicht.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Nee, gar nicht. Oder ist wie alle Themen und wie alle Übergänge eben ambivalent besetzt vielleicht. Einerseits ist es gerade für Mütter ja ganz häufig, ist es ja vielleicht auch wieder ein Schritt für mehr Autonomie, für mehr eigene Freiräume.

Gleichzeitig muss ich ein Stück loslassen und habe ja nicht mehr das Kind die ganze Zeit im Blick und weiß ja auch manchmal gar nicht, was dann da in der Kita passiert. Das heißt, da geht es ja auch ein Stück um Vertrauen, um loslassen. Und das ist alles gar nicht so leicht.

Julia Nogli:

Es gibt ja auch durchaus Kinder, für die ist gar kein Problem, aber es gibt auch welche, denen da weint, wenn man weggeht und es tut weh. Genau, genau.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Und jedes Kind ist unterschiedlich, jede Familie ist unterschiedlich. Dann gibt es natürlich auch die Voraussetzungen in den Kitas sind auch sehr unterschiedlich. Also genau, das ist ein individueller Prozess und der ist aber eben gar nicht so trivial wie früher war das ja auch so ein gängiges.

Das Kind wird in der Kita abgegeben und gut ist. Da sind wir heutzutage jetzt schon mal ein Stück weiter und wissen Okay, das ist das ist eine Herausforderung und die muss erst mal seelisch, psychisch auch irgendwie bewältigt werden und auch organisatorisch.

Julia Nogli:

Und das wirft Fragen auf. Ja, ein anderes großes Thema, wir haben es eben schon angedeutet, ist Trennung ist nun mal so, dass sich sehr viele Paare, Elternpaare trennen. Und das gibt natürlich noch mal auch neue Herausforderungen.

Welches Modell, wo wohnt man? Ist überhaupt ein Umzug und so? Und da begleiten Sie auch.

Christian Klähn:

Ja, absolut. Also wir haben so circa 40 Prozent unserer Beratungen. Da geht es einfach auch um so Fragen wie Wie organisieren wir uns da?

Wie können wir unser Kind bei Trennung gut begleiten? Wie machen wir das, wenn wir getrennt sind, auch mit unterschiedlichen Wohnungen? Welche Ideen sind da möglich?

Aber das, was Sie auch gerade schon gesagt haben, der Wohnungsmangel in Berlin, der zeigt sich auch in den Fällen, in den Ratsuchenden, die zu uns kommen, dass Menschen auch zunehmend fragen, wie kriegen wir das hin? Wir finden einfach keine Wohnung oder keine passende Wohnung, die zu uns da auch passt. Wie kriegen wir das in einer gemeinsamen Wohnung auch hin?

Und dann ist es natürlich eine große Herausforderung, weil das sind natürlich auch manchmal auch extreme emotionale Situationen, die dann da herrschen, die Familien gut zu begleiten.

Julia Nogli:

Eigentlich nehmen sich ja immer alle vor und denken, es würde nicht in Streit um die Kinder und so weiter aussehen. Aber dann passiert es ja leider doch so oft. Und da erkennen Sie wahrscheinlich auch bestimmte Muster oder auch diese mögliche Beeinflussung des einen Partners oder so und können da irgendwie auch helfen und beraten aus der Erfahrung heraus.

Christian Klähn:

Absolut. Also da ist zum einen erst mal fachlich noch mal erwähnt, alle Erziehungsberatungsstellen in Berlin bieten den „Kinder im Blick“-Kurs an. Es ist ein evaluiertes, zertifiziertes Gruppenangebot für Eltern, die getrennt sind, wo es einfach auch darum geht, Eltern dabei zu begleiten.

Also insbesondere, was ja häufig passiert ist, der Wunsch der anderen Elternteile solle sich doch bitte verändern, damit es den Kindern da auch gut geht. Und da noch mal mehr darauf zu gucken, was kann ich selber auch tun, was kann ich dazu beitragen, ist eine große Herausforderung für viele Eltern.

Julia Nogli:

Ja, Trennung kann aber dann ja auch wieder bedeuten, dass neue Partner hinzukommen, vielleicht auch wieder mit Kindern. Die berühmte Patchwork-Familie, sehr verbreitet inzwischen, kann eine Chance sein, aber auch nicht immer leicht, oder?

Cathleen Bornowski-Krautz:

Das genau erleben wir auch in unseren Beratungen, dass das vermehrt immer wieder ein Thema ist und dass es natürlich noch mal eine ganz andere Komplexität reinbringt. So wie wenn die Einzelfamilie mit dem Einzelkind hat weniger Beziehungen miteinander oder es gibt weniger Beteiligte und dadurch ja weniger Menschen, die sich abstimmen müssen. Je mehr Menschen und je mehr Kinder oder Elternteile dazukommen, desto komplexer wird das Ganze natürlich.

Alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, sich abzustimmen, Entscheidungen zu treffen, das ist dann schon ziemlich herausfordernd und damit haben die Familien zu tun. Und ich würde aber sagen, dass das trotzdem sehr gut gelingen kann, weil das natürlich auch so eine Schule ist, sozusagen dieses Ich-muss-mich-da-im-Kleinen-gut-abstimmen. Das hilft natürlich, glaube ich, gesamtgesellschaftlich dann auch wieder, wenn man das schon mal diese Komplexität verinnerlicht hat, zu sagen, es ist eben nicht so leicht mit so vielen Beteiligten.

Julia Nogli:

Dass es eben auch viel um Erwartungen geht. Neue Partner werden vielleicht enttäuscht sein, dass die Kinder, was total verständlich ist, die erst mal irgendwie ablehnen. Also was kann man da sagen?

Geduld haben?

Cathleen Bornowski-Krautz:

Geduld ist auf jeden Fall das Mittel der Wahl. Das erleben wir auch ganz häufig oder versuchen auch den Eltern, das zu vermitteln, wobei das in der Situation dann, glaube ich, immer gar nicht so leicht ist. Als Elternteil, da spielen auch ganz oft solche Themen eine Rolle wie, bin ich eine gute Mutter, bin ich ein guter Vater?

Wenn ich abgelehnt werde, das ist für alle Elternteile schrecklich. Und das aber zu verstehen, dass die Reaktion des Kindes der Kinder da absolut erwartbar und teilweise auch angemessen ist, weil die müssen ja auch irgendwie mit der neuen Situation zurechtkommen und sich da erst mal zurecht finden. Dann geht es ja auch vielleicht um Sicherheit, Orientierung.

Rituale helfen ganz doll dabei, sich dessen bewusst zu werden. Genau, eine wahnsinnig herausfordernde Situation für alle Beteiligten.

Julia Nogli:

Ja, ich habe eben auch rausgehört, dass es auch Gruppen gibt. Also Gruppensitzungen ist ja auch ganz gut. Dann sieht man auch Menschen, denen geht es ja genauso.

Oder wir tauschen uns ja mal aus.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Auf jeden Fall. Also die Rückmeldungen sind auch immer ganz erfreut, dass Elternteile dann merken, oh, es geht nicht nur mir so, es geht auch anderen so. Also das empfehlen wir Eltern ganz doll, sich zu vernetzen.

Und eben durch diese Gruppenangebote gibt es die Gelegenheit, direkt vor Ort Menschen zu treffen, die in einer gleichen, ähnlichen Situation sind. Und das hilft total.

Julia Nogli:

Ja, Herr Klähn, dann gibt es die Schule, auch einen Übergang. Erst mal überhaupt in die Schule, dann in die Oberschule. Was gibt es da für Probleme und wie können Sie da helfen?

Hat auch wieder viel mit Erwartungen vielleicht zu tun, läuft vielleicht nicht so, wie es sollte.

Christian Klähn:

Viel mit Erwartungen. Natürlich einfach. Da sind einfach Gewohnheiten, die sich ändern.

Und dann ist natürlich auch die Frage, wie sehr sprachfähig, also wie gut gelingt es den Eltern, das abzusprechen, die Kinder da und die Jugendlichen auch dabei zu begleiten. Häufig ist einfach das Thema, gerade in Schule, wenn dort Kinder sich nicht gut angekommen fühlen oder wenn Eltern auch bestimmte Leistungsanforderungen haben, das miteinander einfach nochmal anzugucken. Also was ist da möglich?

Was geht? Was geht nicht? Das ist für die Kinder häufig einfach auch Stresssituationen.

Und dann auch gemeinsam zu überlegen, ist das Schulmodell das geeignete? Gibt es da vielleicht auch was anderes? Wie können Kinder unterstützt werden?

Wie können die Eltern die unterstützen? Also das ist ein sehr häufiges Thema, dass insbesondere auch, wenn Eltern zu uns kommen, wo die Kinder, sagen wir mal, gerade nicht mehr so aktiv im Schulbesuch sind, dass wir auch versuchen, dabei zu begleiten und Möglichkeiten zu suchen.

Julia Nogli:

Schön umschrieben. Nicht mehr so aktiv im Schulbesuch, also dass sie eben einfach oft nicht hingehen oder eben sagen, sie haben Bauchschmerzen oder so weiter oder eben wirklich schwänzen einfach.

Christian Klähn:

Genau, genau. Und dann gibt es ja immer verschiedene Möglichkeiten, die wir uns angucken. Das ist eines natürlich, was in der Schule selber da möglich ist.

Da muss man gucken, wie weit da die Eltern auch Einfluss darauf nehmen können. Aber insbesondere auch nochmal zu sortieren, was ist möglicherweise auch im Elternhaus los? Gibt es da Möglichkeiten, wie die da unterstützen können?

Und wir schauen ja immer nach diesen natürlichen Ressourcen, also natürlichen Möglichkeiten. Gibt es irgendwelche Nachbarn, Freunde, Onkel, Trainer, Trainerinnen, die da irgendwie auch unterstützen können? Gleichzeitig gibt es aber auch manchmal Situationen, wo man einfach sagt, okay, wir brauchen nochmal andere professionelle Hilfe.

Und wobei dann auch gucken, wo wir gegebenenfalls mit den wirklichen Jugendämtern zusammenarbeiten, was es da an Möglichkeiten noch gibt.

Julia Nogli:

Ja, das wollte ich Sie auch fragen. Frau Bornowski, es gibt ja auch spätestens seit Corona, aber auch schon vorher auch psychische Probleme, auch sehr verbreitet, Essstörungen, Magersucht und so oder ein bisschen auch zu Drogen. Da würden Sie auch erst mal beraten und gegebenenfalls weiterleiten, oder?

Genau.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Also wie gesagt, zu uns kommen mit allen Themen kommen. Wenn das auch schon Themen sind, die bekannt sind, dann sind wir auch prinzipiell erst mal Ansprechpartner. Wir haben ja auch Kollegen, die Kinder- und Jugendlichen-Therapeuten sind.

Das heißt, die genau das machen, was ja auch Kollegen prinzipiell in seiner freien Praxis anbieten würden. Gleichzeitig haben wir natürlich sind wir keine therapeutische Leistung. Das heißt, man müsste dann gucken, wenn es einen therapeutischen Bedarf gibt, dann würden wir weitervermitteln.

Aber zur Abklärung oder manchmal gibt es ja Unsicherheiten oder Eltern machen sich Sorgen. Dann sind wir erst mal erste Ansprechpartnerinnen und können, wie gesagt, gemeinsam mit der Familie schauen. Genau.

Es gibt ja manchmal Situationen, wo es eher vielleicht ein Ausdruck von einer Konfliktbewältigung ist. Und manchmal aber sind es dann genau oder die Gefahr besteht ja, wenn das ein Konfliktlöse Mittel ist, dass dann sich daraus was chronifiziert. Und da müsste man natürlich dann gegensteuern.

Aber das können wir mit den Familien und Eltern gemeinsam besprechen.

Julia Nogli:

Also generell gilt, Herr Klähn, so früh wie möglich doch kommen. Aber wie kommen die Leute auf Sie? Wie kommen die überhaupt darauf, dass man dahin gehen kann?

Ist ja wirklich nicht jedem bekannt.

Christian Klähn:

Ja, absolut. Wir sind natürlich dabei, auch Werbung zu machen, wobei wir natürlich bei Werbung immer ein bisschen vorsichtig sein müssen. Es ist jetzt nicht so, dass wir da sitzen müssen und Däumchen drehen, sondern tatsächlich andersrum.

Es gibt viele Beratungsstellen, die tatsächlich auch Wartelisten mittlerweile führen müssen. Das hat einfach damit zu tun, dass die anderen Unterstützungseinrichtungen wie Tageskliniken oder auch Therapieplätze, dass die häufig fehlen oder so lange dauern und dass wir versuchen, das Ganze zu begleiten. Und das uns auch ein bisschen herausfordert, da auch dem Ganzen gerecht zu werden.

Also da merkt man deutlich auch eine Veränderung in den Hilfesystemen. Und grundsätzlich aber können die Menschen zu uns kommen, sie können anrufen, sie können eine Mail schreiben. Es gibt die Seite efb-berlin, wo alle Beratungsstellen auch gelistet sind.

Im Internet findet man uns. Wir bieten auch die Online-Beratung an. Also wenn es darum geht, möglicherweise auch erst mal nur so sich anonym zu melden und da auch zu begleiten.

Also vielfältige Wege. Wir rufen zurück oder wir schreiben zurück und gucken dann, inwieweit wir da auch zeitnah Termine anbieten können.

Julia Nogli:

Muss ich da dann in die in meinem Bezirk gehen oder könnte ich theoretisch, wenn woanders ein Platz frei ist, woanders hin? Oder wie ist das? Genau.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Das ist das Schöne in Berlin, dass da die Eltern die Möglichkeit haben, bezirksübergreifend sich eine Beratungsstelle zu suchen, zumindest bei den freien Trägern. Die kommunalen Beratungsstellen können nur Eltern beraten, die direkt im Bezirk wohnen. Wir haben die Möglichkeit, Eltern aus allen Bezirken in Berlin zu beraten.

Wir haben ja auch noch unsere Beratungsstelle in Brandenburg, die Kollegin in Zehdenick. Da ist es tatsächlich an den Wohnort gebunden. Das heißt, da in dem Landkreis, wo ich wohne, dann ist die Beratungsstelle zuständig, die da im Landkreis vor Ort ist.

Julia Nogli:

Okay, aber hier könnte man gucken. Vielleicht ist es irgendwo nicht ganz so lang. Das stimmt.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Wir in Reinickendorf sind ja ein bisschen weiter am Rand von Berlin und haben tatsächlich immer mal eher noch Kapazitäten.

Julia Nogli:

Genau, und sie machen ja alle das Gleiche, haben die gleiche Ausbildung. Ja, sie hatten im Vorfeld schon die Botschaft formuliert, Eltern sein ist eine Herausforderung, die wir gesellschaftlich wuppen müssen. Herr Klähn, wie ist es zu verstehen?

Christian Klähn:

Ja, also genau das, was Familien ja tun, ist einfach eine Leistung oder ist die nächste Generation irgendwie auch zu begleiten. Und je mehr Familien da auch bei gut unterstützt werden, desto besser gelingt dann auch die Übergänge und der Wandel, der uns dann auch noch bevorsteht. Und was häufig einfach passiert, was wir immer wieder feststellen, sind ja so in diesem Kleinen, dass Familien einfach an ihre Kapazitätsgrenzen, an ihre Krisen kommen, aber die dabei einfach auch gut zu begleiten, also auch schon mal ein bisschen größer zu denken.

Was sind da so an kleinen Möglichkeiten? Familien sind da total gefordert und auch belastet. Viele Familien gelingt es, aber es gibt auch viele Familien, die da einfach an ihre Grenzen kommen.

Also sowas wie Nachbarschaftshilfe, Freundeskreis, die einfach eine große Rolle spielen. Also einfach den Blick auch darauf, auf die Familien zu richten. Wie weit können die im Alltag unterstützt werden?

Also aktiv nachzufragen. Brauchst du in irgendeiner Form eine Unterstützung? Willst du gerne auch mal?

Sollen wir auf deine Kinder aufpassen für einen kleinen Moment? Das sind wichtige Botschaften. Gerade junge Familien sind nicht von sich aus so, dass sie sich alleine melden.

Arbeitgeber, da ist auch viel passiert schon, aber auch flexibler reagieren, also nicht bloß die gesetzlich vorgegebenen Elternzeit-Modelle, sondern auch zu gucken, wie können Familien da auch unterstützt werden, gerade wenn die Kinder krank werden, was häufig genug auch passiert ist, dass Lehrer, Erzieherinnen in der Schule oder auch in der Kita nicht da sind und Eltern regelmäßig gefordert werden, dann so Arbeit und Familie unter den Hut zu kriegen. Und das ist sehr, sehr fordernd. Und da fehlt vielen dann auch nochmal die Energie, möglicherweise auch nochmal politisch aktiv zu werden und zu sagen, das ist unsere Botschaft.

Sondern da ist schon auch unser Appell, dass da auch aktiv auf Familien mit Angeboten drauf zugegangen wird.

Julia Nogli:

Also eigentlich an jeden. Das fand ich gut gerade. Also auch Nachbarn einfach mal fragen.

Kann ich helfen? Macht ja auch Spaß, mal auf Kinder aufzupassen.

Cathleen Bornowski-Krautz:

Genau. Ich glaube, das ist ja auch so ein gesamtgesellschaftliches Thema, dass es uns ja allen gut tut, wenn wir aufeinander schauen und eben aber besonders eben auch Familien, weil die einfach nochmal mehr zu wuppen haben, weil die Kinder zu begleiten, Kinder zu helfen, groß zu werden, das macht sich nicht nebenbei.

Julia Nogli:

Familien unterstützen, das haben Frau Bornowski und Herr Klähn Immanuel Familieneberatungen hier bei uns auf www.paradiso.de in der Mediathek unter Natürlich gesund. Einen schönen und entspannten Abend für Sie mit Radio Paradiso.

Die Sendung „Wenn alles anders wird – Wie Eltern ihren Kindern Halt geben“ können Sie auch hier in der Mediathek von Radio Paradiso anhören.

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