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Hör-Tipp: Stadtteilzentren als Treffpunkt für den Kiez
Treffpunkt, Beratung und Engagement im Kiez: Ina Fuchs und Marius Hörning stellen die Immanuel Stadtteilzentren in Schöneberg und Borsigwalde vor und berichten, wie die Angebote vor Ort angenommen werden.
Das Immanuel Stadtteilzentrum Schöneberg und das Immanuel Stadtteilzentrum Borsigwalde verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen im Kiez miteinander in Kontakt zu bringen, Beratung und Unterstützung anzubieten sowie Raum für Begegnung, Austausch und gemeinschaftliches Engagement zu schaffen. Neben vielfältigen Beratungsangeboten können Bewohnerinnen und Bewohner auch eigene Ideen und Projekte einbringen und mitgestalten.
Wie werden die Angebote von den Menschen vor Ort angenommen? Welche Beratungen werden besonders häufig nachgefragt? Wie gelingt es, diese Angebote kostenfrei bereitzustellen? Und auf welchen Wegen erfahren die Menschen im Kiez überhaupt von den Stadtteilzentren?
Über diese und weitere Fragen spricht Julia Nogli mit ihren Gästen in „Natürlich gesund“ und wirft einen Blick auf die wichtige Arbeit der Stadtteilzentren für das soziale Miteinander in den Berliner Kiezen.
Was machen Stadtteilzentren?
In der Sendung „Natürlich gesund“ berichten Sozialarbeiterin Ina Fuchs vom Immanuel Stadtteilzentrum Schöneberg und Sozialarbeiter Marius Hörninger vom Immanuel Stadtteilzentrum Borsigwalde von den Angeboten und Aufgaben der Stadtteilzentren.
Julia Nogli:
Sie sind bei Radio Paradiso mit Natürlich gesund. Ich bin Julia Nogli und das Thema ist heute "Was machen Stadtteilzentren"? Gäste im Studio sind Ina Fuchs. Sie ist Sozialarbeiterin im Immanuel Stadtteilzentrum Schöneberg und Marius Hörning, Sozialarbeiter im Immanuel Stadtteilzentrum Borsigwalde. Hallo, ich grüße Sie beide. Hallo.
Hallo Frau Fuchs, wir fangen mit Ihnen mal an. Was ist das eigentlich ein Stadtteilzentrum?
Ina Fuchs:
Ein Stadtteilzentrum ist ein offener Ort der Begegnung, der es ermöglicht, Menschen im Kiez zueinander zu führen, Angebote wahrzunehmen und Bedarfe, die im Kiez sichtbar werden, die ganz unterschiedlich sein können, aufzufangen oder entgegenzuwirken und auch Gruppen und Initiativen, Räume zu schaffen, die sich treffen wollen, die Initiativen groß machen möchten oder die zum Beispiel auch so was wie Selbsthilfegruppen für Räume, also Räume brauchen für Selbsthilfegruppen. Genau, sowas bieten wir an und es ist schwierig, das so in einem Satz zu erklären, weil es ganz unterschiedlich sein kann und sich immer so ein bisschen danach richtet, was denn das jeweilige Kiez so braucht. Und Sie sind ja in Schöneberg.
Richtig.
Julia Nogli:
Und wie lange sind Sie selbst dort schon tätig?
Ina Fuchs:
Ich bin mit Eröffnung des Stadtteilzentrums letztes Jahr im Mai dazu gestoßen und damit ist eigentlich auch erst die Arbeit richtig losgegangen. Das ist noch so frisch. Genau und deswegen würde ich auch sagen, dass wir uns noch im Aufbau befinden und auch immer noch dabei sind, den Kiez besser kennenzulernen und die Gruppen und ehrenamtlichen Personen und Initiativen, die so langsam auf uns zukommen, auch kennenzulernen und ein Bild von Schöneberg zu bekommen.
Julia Nogli:
Herr Hörning, Sie wiederum sind in Borsigwalde. Auch schon länger oder und was ist da vielleicht anders?
Marius Hörning:
Ich bin seit zwei Jahren in Borsigwalde, habe da angefangen mit meiner Kollegin Claudia, wir machen das im Co, die Koordination. Und ja, da gab es das Stadtteilzentrum noch nicht so ganz. Da war es noch ein bisschen eine Baustelle und ein halbes Jahr später haben wir es eröffnet.
Aber in der Zeit konnten wir die Zeit nutzen, sind wir mit dem Lastenrad durch den Kiez, also durch Borsigwalde, haben die Leute kennengelernt, haben genetzwerkt, haben andere Akteure kennengelernt und haben erst mal den Bezirk, den Ortsteil Borsigwalde kennengelernt und dann haben wir ein halbes Jahr später eröffnet mit einem schönen großen Fest. Da hat auch die Bezirksbürgermeisterin geredet und zum Beispiel die Big Band von der Benjamin Franklin Schule. Das ist eine Oberschule, die hat bei uns gespielt zur Eröffnung.
Also haben wir den Kiez gleich mit eingebunden zur Eröffnung. Ja, und dann haben wir mit Angeboten gestartet.
Julia Nogli:
Genau. Und wie erfahren jetzt, außer wenn man natürlich zu so einem Fest eingeladen ist oder da vorbeikommt, aber wie erfahren die Menschen, dass es sie da gibt und was man bei ihnen machen kann? Ist da eine offene Tür?
Marius Hörning:
Ja, also in der Zeit, wie gesagt, als das Stadtteilzentrum noch nicht da war, sind wir mit dem Lastenrad durch Borsigwalde, haben uns auch dahingestellt und haben versucht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sind zu anderen Akteuren gegangen, zum lokalen Fußballverein, zu den Gemeinden sind wir gegangen, haben die kennengelernt, um den Kiez kennenzulernen, um gleich uns zu vernetzen und zu gucken, was wir hier machen können.
So, ja, und dann haben wir begonnen, erst mal mit niedrigschwelligen Angeboten. Und das Besondere am Stadtteilzentrum ist ja auch, dass man nicht nur an Angeboten teilnehmen kann, sondern man kann auch seine Ideen selber einbringen und eigene Angebote machen. Und wir sind jetzt seit eineinhalb Jahren dabei und viele Angebote, die es bei uns gibt, die machen nicht wir, sondern die machen die Besucherinnen und Besucher.
Julia Nogli:
Was sind das so für Sachen?
Marius Hörning:
Spielenachmittag, eine Handarbeitsrunde, aber auch werden wir bei Angeboten unterstützt, zum Beispiel bei Events. Letztes Jahr haben wir bei der Fete de la Musique gemacht und ohne die ganzen Ehrenamtlichen wäre das gar nicht möglich gewesen, weil sie uns tatkräftig bei dem Fest unterstützt haben.
Julia Nogli:
Also haben vor der Tür Bands gespielt, oder?
Marius Hörning:
Ja, wir haben einen Vorplatz bei uns und haben eine Bühne aufgebaut und dann haben wir Bands gespielt. Ja, wir haben Waffeln verkauft und das war ein sehr schönes Event. Und dieses Jahr nehmen wir auch wieder daran teil, weil es letztes Jahr so schön war.
Julia Nogli:
Ja, Frau Fuchs, wenn man das so hört, denkt man, wenn es das nicht gäbe, müsste man es erfinden. Also das ist schon eine total sinnvolle Sache. Und ist es bei Ihnen jetzt schon so ein bisschen angelaufen oder sind Sie immer noch mehr im Aufbau oder sind schon Leute da?
Ina Fuchs:
Ja, Schöneberg ist ein total belebter Kiez, was sehr schnell die Lust hatte, sich einzubringen und den Weg zu uns gesucht hat. Und dadurch sind jetzt schon Gruppen entstanden wie auch Handarbeitsgruppen, äthiopisches Essen, Strickgruppen, ein polnisches Familiencafé. Also wirklich ganz unterschiedlich, aber auch eben Initiativen wie zum Beispiel Kinderschutzbeauftragte in Sportvereinen, die sich treffen und Fallsupervision machen und dann nicht unbedingt jetzt ein Angebot für alle sind, aber trotzdem die Räume nutzen.
Julia Nogli:
Okay. Und machen Sie auch so was selber wie Mietberatung oder so was?
Ina Fuchs:
Ja, wir haben jetzt seit einem halben Jahr eine kostenlose Rechtsberatung.
Die Irina Renner bietet auch wirklich ganz tolle Rechtsgebiete an. Also es ist ein sehr großer Mehrwert für Berlin, würde ich fast schon sagen, weil viele aus unterschiedlichen Bereichen aus Berlin auch das Angebot nutzen. Wir haben auch eine Schreib- und Verweisberatung sowie...
Was ist das? Das ist, die Herausforderung besteht ja ganz oft darin, dass man erst mal vor so Anträgen sitzt und sich denkt, was soll ich da eigentlich einfüllen, ausfüllen? Und das ist so die Schreibberatung dahinter, vielleicht auch für Personen, die grundsätzlich irgendwie Schwierigkeiten haben, Deutsch zu verstehen.
Und Verweisberatung ist auch die richtungweisende Beratung zu sagen, mit diesem Anliegen können Sie an die und die Stelle oder an die und die Beratungsstelle, dass die Person erst mal so eine gewisse Form von Orientierung und erste Unterstützung erhält. Genau. Und wir haben jetzt zum Beispiel auch eine ganz tolle Ehrenamtlerin, die ehemalige Supervisorin und Beraterin ist und jetzt einfach Lust hat, ehrenamtlich und kostenlos psychosoziale Beratung bei uns anzubieten.
Also gerade das Beratungsangebot wächst stetig.
Julia Nogli:
Ist das bei Ihnen auch so? Vermutlich mal ein Borsigwalde?
Marius Hörning:
Ja, wir haben auch einige Beratungsangebote. Wir haben eine wöchentliche Sozialberatung, eine monatliche Berufsberatung. Dann gibt es bei uns auch eine Familienberatung, weil unser Träger macht selbst eine Familienberatung und da haben wir dann einfach Kolleginnen und Kollegen, die bei uns einmal die Woche zu uns kommen und eine Familienberatung machen und zwei Kollegen machen dann noch zusätzlich alle zwei Wochen eine Vätersprechstunde.
Ja, und ja, Sozialberatung findet eigentlich jeden Tag da statt. Also Besucherinnen und Besucher kommen mit Fragen und da machen wir auch Tür- und Angelberatung. Und was auch ganz wichtig ist, ist Tür- und Angelberatung.
Einfach so zwischendurch. Es ist ein Frühstück und dann kommen sie mit uns, haben sie Fragen und dann versuchen wir da zu unterstützen.
Julia Nogli:
Und nicht lange auf einen Termin warten, wochenlang oder so.
Marius Hörning:
Wir können auch manchmal, wenn die Kapazitäten da sind, Termine machen. Also das machen wir auch. Ansonsten sind wir ja im Bezirk Reinickendorf gut vernetzt und wir wissen, wo es was gibt.
Also vermitteln wir auch Besucherinnen und Besuchern mit ihren Anfragen. Wenn es zum Beispiel um Pflege geht, haben wir eine Mitarbeiterin, die sich da auskennt im Träger oder vermittelt zum Pflegestützpunkt und zu allen anderen Stellen die Not, die sie brauchen.
Julia Nogli:
Und das Ganze aber auch, wie man richtig rausfährt in der angenehmen Atmosphäre. Also man merkt richtig, Sie arbeiten da auch gerne. Sind Sie da jeden Tag und Ihre Kollegen?
Marius Hörning:
Ja, wir sind jeden Tag da. Ja, wir arbeiten auch gerne da, also sehr gerne sogar. Natürlich gibt es auch Herausforderungen mit Besucherinnen und Besuchern.
So ist es nicht. Aber das gehört halt dazu. Wir sind halt Menschen und finden da immer den besten Weg.
Aber ich glaube, ich kann auch für meine Kolleginnen und Kollegen sprechen, dass wir sehr gerne da arbeiten.
Julia Nogli:
Ja, Frau Fuchs, bei Ihnen ist das jetzt alles ja noch so neu, aber es läuft an. Vielleicht dadurch, dass es Schöneberg ist, haben Sie ja vorhin auch gesagt, mehr Menschen mit Migrationshintergrund, aber kommen auch wirklich gemischt alle irgendwie zu Ihnen, die sich trauen.
Ina Fuchs:
Ja, auf jeden Fall. Genau, also Trauen ist vielleicht ein gutes Stichwort, weil ich glaube, dass noch viel mehr Menschen Stadtteilarbeit in Anspruch nehmen dürfen, weil Begegnungen und kleine Unterstützung und vielleicht auch einfach mal ein nettes Gespräch mit einem Nachbarn total gut sein kann, ohne direkt von gesellschaftlichen Benachteiligungen aktiv betroffen zu sein. Also das ist auch eine ganz große Einladung, dass Stadtteilzentren für alle da sind und für alle irgendwie einen schönen Ort darstellen können.
Und ich denke, es liegt ein bisschen auf der Hand, dass SeniorInnen, die einfach ein bisschen mehr Zeit haben, ganz schnell ein Stadtteilzentrum finden. Aber auch gut so.
Julia Nogli:
Die sind ja oft auch einsam oder so.
Ina Fuchs:
Genau. Und ja, und doch dürfen es auch immer mehr werden. Wobei auch das Klientel einfach je nach Gruppe auch ganz, ganz unterschiedlich ist.
Julia Nogli:
Na, das wäre ganz gut. Haben Sie auch sozusagen so Stammgäste, die da immer mal auf einen Kaffee kommen oder so, was auch okay ist?
Ina Fuchs:
Ja, definitiv. Also wir freuen uns immer darüber, weil es einfach so ein bisschen dieses Kiezgefühl so bestärkt, dass wir an einem Ort sind, wo die Leute direkt mal vorbeikommen können. Und das ist so eine Leichtigkeit betont.
Und da wachsen immer mehr Menschen dahin zu sagen, ich bin auf jeden Fall mindestens einmal die Woche da. Und da freuen wir uns immer ganz doll drüber.
Julia Nogli:
Das kommt offenbar wirklich gut an und Beratungsbedarf gibt es ja wahrlich viel bei den Menschen. Nun ist es ja von der Beratung plus Leben ist sozusagen der Träger. Also dadurch wird es ermöglicht, dass sie sozusagen bezahlt werden und auch, dass die Leute diese Beratung gar nicht bezahlen müssen.
Nein, es ist dann kostenfrei alles.
Marius Hörning:
Ja, es ist alles kostenfrei. Ja, die meisten Beratungen werden durch Mitarbeitende, Kolleginnen von unserem Träger bereitgestellt. Also ich mache auch zum Beispiel Sozialberatung.
Von der Familienberatung kommen Kolleginnen und Kollegen von der EFB. Aber es gibt auch Kooperationen. Zum Beispiel die Berufsberatung ist auch umsonst und es macht Beratung und Bildung in Berlin.
Und das ist aber, die machen das auch kostenfrei so. Aber in der Regel sind alle Angebote bei uns kostenfrei. Höchstens mal beim Malangebot, wenn dann die ehrenamtliche Dinge mitbringt.
Also dann sind da Sachkosten. Bitten wir darum.
Julia Nogli:
Frau Fuchs, warum glauben Sie, das sind ja jetzt zwei relativ neue Stadtteilzentren, wahrscheinlich gibt es noch mehr oder werden noch mehr etabliert, der Träger Beratung + Leben. Warum? Was ist der Gedanke, so etwas hinzustellen?
Ihre Gehälter zu bezahlen, den Leuten kostenlos sowas anzubieten, so eine Beratung zum Beispiel oder einen Kaffee trinken?
Ina Fuchs:
Ergänzend muss man dazu sagen, dass es in Kooperation mit der Senatsverwaltung ins Leben gerufen wird. Ohne die Förderung der Senatsverwaltung könnte es die Stadtteilzentren nicht geben. Und ich glaube, dass es ein gemeinsames Ziel ist, gegen Einsamkeit zu wirken und vor allen Dingen den Fokus auf Gemeinschaft und Demokratie zu lenken.
Und die Senatsverwaltung hofft, einfach immer mehr Stadtteilzentren auch in Berlin gründen zu können, weil es ein bewährtes Konzept ist, Menschen zusammenzubringen und vor allen Dingen, wie sich ja in beiden Stadtteilzentren zeigt, Ehrenamt zu vereinen und wieder sichtbar zu machen, dass wir miteinander ganz viele schöne Dinge schaffen können und dass wir aus dieser gesellschaftlichen Spaltung rauskommen und es sich gut anfühlt, wenn jemand aus dem Kiez sagt Hey, ich habe Lust, einen Spaziergang zu machen und damit Menschen erreicht, die sagen Ach ja, ich wollte schon immer mal wieder mal irgendwie anders durch Schöneberg gehen. Und so entsteht, glaube ich, für die Gesellschaft ein ganz, ganz großer Mehrwert.
Julia Nogli:
Würden Sie das auch so bestätigen?
Marius Hörning:
Ja, ich würde das auch so bestätigen. Und man merkt auch wirklich bei der Arbeit, zu uns kommen die Menschen und die lernen sich bei uns kennen, obwohl sie nebeneinander wohnen. So und das ist bei uns wirklich vorgekommen, dass da Nachbarinnen sind, die sich auf der Straße begegnet sind und nie ein Wort gewechselt haben.
Bei uns haben sie sich dann kennengelernt und verabreden sich jetzt schon außerhalb des Stadtteilzentrum. Ja, genau so ist gedacht, die zusammengebracht. So und das war schon so.
Und wir haben auch Besucherinnen, die fast täglich kommen. Also es wird auch gesagt, das ist ihr zweites Zuhause und ist wie eine zweite Familie. Also man merkt das richtig, was für einen Einfluss das hat, auch auf die Umgebung, dass man sie wirklich zusammenbringt und dann auch Sachen entstehen.
Also das ist ja toll.
Julia Nogli:
Freut sich Marius Hörning, Sozialarbeiter im Immanuel Stadtzentrum Borsigwalde. Dieses und auch das relativ neue Immanuel Stadtteilzentrum in Schöneberg haben wir heute vorgestellt. Das Besondere an diesen Stadtteilzentren ist also nicht nur, dass man an Angeboten, etwa Beratungen teilnehmen kann, sondern auch eigene Ideen für Aktionen einbringen kann.
Mehr Infos zu all dem hier auf www.paradiso.de in unserer Mediathek unter Natürlich gesund. Einen schönen und gemütlichen Abend für Sie mit Radio Paradiso.