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Hürden bei der Integration erkennen und gemeinsam Lösungen entwickeln: Darum ging es beim diesjährigen Aktionstag der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE) und der Jugendmigrationsdienste (JMD) am 3. September in Berlin-Mitte.

Der alle ein bis zwei Jahre stattfindende Aktionstag brachte Fachkräfte aus Beratungsstellen mit Vertretenden aus Politik und Verwaltung zusammen. Auch Immanuel Beratung war an der Organisation beteiligt.

Fünf Themen – konkrete Lösungsansätze

Bei einem gemeinsamen Dinner wechselten die Teilnehmenden zwischen fünf Thementischen. Diskutiert wurde über Sprache als Schlüssel zur Integration, Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, die Situation von Studierenden und Fachkräften, behördliche Hürden sowie Lücken zwischen verschiedenen Beratungsangeboten. So dürfen die vom Bund finanzierten MBEs ab 2027 Menschen nur noch bis fünf Jahre nach Einreise beraten. Wer bereits mehr als fünf Jahre in Deutschland ist und Beratung benötigt, muss sich dann an die vom Land Berlin finanzierten Migrationssozialdienste wenden. „Die Migrationssozialdienste haben jedoch zu wenige Beratungsstellen, um den Bedarf an Beratungen aufzufangen“, sagt Carolin Wildt von der Migrationsberatung der Immanuel Beratung Fischerinsel.

Carolin Wildt beschäftigte sich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen insbesondere mit Hürden im Kontakt mit Behörden. Zur Sprache kamen etwa verständlichere Antragsformulare, bessere digitale Zugänge zu Verwaltungsleistungen und lange Bearbeitungszeiten.

„Wenn gesellschaftspolitisch von zugewanderten Menschen Integrationsbemühungen eingefordert werden, muss gleichzeitig die behördliche Struktur so angepasst werden, dass diese Integration nicht per se unterbunden oder stark gehemmt wird“, sagt Migrationsberaterin Carolin Wildt.

Ein weiteres Thema ist aus ihrer Sicht die Frage, wer Zugang zu spezialisierter Migrationsberatung erhält. „Wir müssen verhindern, dass durch zu starke Zielgruppenbegrenzungen am tatsächlichen Bedarf der Ratsuchenden vorbeigearbeitet wird. Wenn eine Person auch sieben Jahre nach ihrer Einreise Unterstützung bei einem typisch migrationsbedingten Thema benötigt, braucht sie eine Anlaufstelle mit der entsprechenden Expertise.“

Migrationsberatung schafft Orientierung

Wie groß der Bedarf ist, zeigen auch bundesweite Zahlen: Im Jahr 2025 begleiteten 875 MBE-Beratungsstellen rund 240.700 Beratungsfälle. Die Beratung unterstützt Zugewanderte unter anderem bei Fragen rund um Familie, Schule, Arbeit und das Ankommen in Deutschland.

Dirk Brigmann, Geschäftsführer von Beratung + Leben, betont die Bedeutung solcher Beratungsangebote und des direkten Austauschs:

„Integration entsteht nicht allein dadurch, dass wir Erwartungen an zugewanderte Menschen formulieren. Sie braucht auch verlässliche Strukturen, verständliche Verfahren und Beratung, die Menschen dabei unterstützt, sich zurechtzufinden und ihre Möglichkeiten zu nutzen. Deshalb ist es so wichtig, dass Politik, Verwaltung und Beratungspraxis miteinander im Gespräch bleiben.“

Genau dafür bietet der Aktionstag Raum: Erfahrungen aus dem Beratungsalltag werden direkt mit politischen und behördlichen Entscheidungsträgerinnen und -trägern besprochen. Denn viele Schwierigkeiten, mit denen Zugewanderte in die Beratung kommen, betreffen nicht nur einzelne Menschen. Sie zeigen zugleich, wo Strukturen verbessert werden können, damit Integration im Alltag besser gelingt.

Titelbild: Carolin Wildt (links) von der Migrationsberatung der Immanuel Beratung Fischerinsel im Gespräch mit einer Teilnehmerin.

Mehr Informationen zur Migrationsberatung in der Immanuel Beratung Fischerinsel

Eindrücke vom Fachtag

© Foto: Ksenia Yanko 
© Foto: Ksenia Yanko