Konzept und Alltag

Das Wohnprojekt hat zum Ziel, die jungen Bewohner hier in Berlin zunächst an- und zur Ruhe kommen zu lassen. In individuellen Betreuungsplänen werden die Jugendlichen zugleich auf ein eigenständiges Leben nach Erreichen der Volljährigkeit vorbereitet.

Alle Jugendlichen im Wohnprojekt haben in Deutschland Asyl beantragt und suchen eine langfristige Arbeits- und Lebensperspektive. Jede Biographie ist anders, doch was die Bewohner eint, ist, dass sie hier angekommen auf keine ihnen vertrauten Strukturen zurückgreifen können. Sie müssen vieles wieder neu erlernen. Das fängt schon bei der Sprache an.

Auch in die deutschen Strukturen müssen sich die Jugendlichen erst reinfinden. Um sie bei all diesen Schritten zu unterstützen, stehen ihnen fünf hauptamtliche Betreuer sowie eine leitende Fachkraft aus dem Bereich der Jugendarbeit zur Seite.

Wir bereiten auf die Eigenständigkeit vor

Gemeinsam mit den Bewohnern werden individuelle Hilfepläne erarbeitet, die sie bis zu ihrem Austreten aus dem Wohnprojekt mit dem Erreichen der Volljährigkeit zu größtmöglicher eigenständiger Orientierung in der deutschen Gesellschaft, zu einem selbstbestimmten und sozialen Verhalten befähigen soll. Ermutigung und Unterstützung beim Deutschlernen gehören ebenso dazu wie eine schulbegleitende Berufsorientierung, Workshops zum Grundgesetz, zu den gesellschaftlichen Werten und Gepflogenheiten sowie, da sie minderjährig sind, zur Sexualpädagogik und eine gesundheitliche Aufklärung.

Das Betreuerteam ist bestrebt, Ruhe und Sicherheit in das Leben der Jugendlichen zu bringen, damit diese sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren können: Schule, Freundschaften und Kontakte zur Familie.

Hier unterstützen die Betreuerinnen und Betreuer je nach Möglichkeit, um Aufenthaltsorte von Familienangehörigen zu finden. Es gehört zu den Erfahrungen der Jugendhilfen, dass die Bindung zur Herkunftsfamilie – sofern es eine solche Bindung gibt und die Familie erreichbar ist – für die Entwicklung und psychische Stabilität eines Heranwachsenden sehr wichtig ist.

Wir setzen auf Partizipation

Der Aufenthaltsraum im neufugium.

Eine Besonderheit im neufugium ist das wöchentlich stattfindende kleine Plenum. Hier werden die Jugendlichen mithilfe eines Dolmetschers in ihrer Muttersprache in die alltäglichen Entscheidungsprozesse der Wohngemeinschaft einbezogen. Es gilt, Aufgaben zu verteilen, Regeln zu besprechen oder zu diskutieren und Verantwortlichkeiten zu klären.

Angenommen ein Jugendlicher ist gerade neu in das Wohnprojekt eingezogen, so verteilen die übrigen Jugendlichen untereinander die Bereiche: Wer zeigt dem Neuen den Alltag innerhalb der Wohneinrichtung, aber auch in der Umgebung des Geländes? Wer gibt welche Hilfestellungen? So können die Jugendlichen ihre eigenen Erfahrungen unmittelbar weitergeben und ganz konkret füreinander Verantwortung übernehmen.

Alle sechs Wochen gibt es für jeden Jugendlichen ein Einzelgespräch. Das wird im Grunde nur mit dem jeweiligen Bezugsbetreuer oder der Betreuerin geführt und dabei ist immer auch ein Dolmetscher zugegen. Denn auch dieses Gespräch, bei dem es um das persönliche Wohlbefinden, vor allem auch hinsichtlich der Erfolgschancen selbst gesteckter Ziele, geht, soll der Jugendliche in seiner Muttersprache führen können. So kann er die Punkte, die ihm wichtig sind, auf eine Art vorbringen, auf die er sich am besten verstanden glaubt.

Ergebnis dieser Partizipationsstrukturen ist ein hoher Grad an Verlässlichkeit, und zwar gegenseitig. Darüber hinaus ist es wichtig und als ein ermutigendes Zeichen zu sehen, dass man als Heranwachsender gehört und ernst genommen wird.

Das Berliner Netzwerk der Jugendlichen vergrößern

Entsprechend der individuellen Vorlieben und Hobbies der Jugendlichen regen Betreuerinnen und Betreuer die Ausübung einer sportlichen oder musikalischen Aktivität in einem Berliner Verein an, um das Kontaktfeld und die sozialen Möglichkeiten in der Stadt zu erweitern.

Die juristische Betreuung der Jugendlichen erfolgt über eine extern beauftragte Rechtshilfe, da die Jugendlichen in ihren aufenthaltsrechtlichen Belangen auf hochprofessionelle Aufklärung und Beratung angewiesen sind.

 
 
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