Ehrenamtliche Begleitung

Das Projekt entstand in ehrenamtlicher Initiative der Baptistengemeinde Schöneberg und wird von den Gemeindemitgliedern auch weiterhin aktiv unterstützt. Zahlreiche Angebote in den Bereichen Musik, Sport und Kunst sollen die Jugendlichen einen „normalen“ Alltag erleben lassen und persönliche Interessen fördern. Diese Angebote werden zum Teil über Spenden finanziert.

Im Sommer 2015 stieg der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften und spontanen Hilfestellungen bundesweit an. Tausende Menschen fühlten sich aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln. Bei den Baptisten in Schöneberg entstand ein Arbeitskreis, der sich das Ziel setzte, in der Hilfe für Geflüchtete aktiv zu werden. Die Gemeinde betrieb zu dem Zeitpunkt noch ein Bed & Breakfast, das nun als Unterkunft für Geflüchtete mitgenutzt werden sollte.

„Wir machen es ganz oder gar nicht.“

Die Idee wurde der Gemeindeleitung vorgetragen. Sie stimmte dem Vorhaben grundsätzlich zu, hatte jedoch einen Einwand: Eine Beibehaltung des regulären Gästebetriebs ist mit der gleichzeitigen Nutzung der angrenzenden Räume als Notunterkunft nicht gut zu vereinbaren. Es wäre doch besser, sich nur auf die Bedürfnisse der einen Gruppe zu konzentrieren – und also das gesamte Bed & Breakfast den Geflüchteten als Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der räumlichen und strukturellen Gegebenheiten erschien die Einrichtung geeignet für eine betreute Wohngemeinschaft unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter. Als Partner suchte sich die Gemeinde die Beratung + Leben GmbH. Diese hat die Idee weiterentwickelt, ausgebaut und auf ihre konkrete Umsetzung hin geprüft und geplant.

Ehrenamtliches Netz und Einbindung in den Kiez von Beginn an

Als im April dann die ersten Bewohner das Neufugium bezogen, konnte das Wohnprojekt von Beginn an auf gewachsene ehrenamtliche Strukturen in der Gemeinde zurückgreifen. Eine Rolle spielte auch das Kiezleben, in das die Baptisten in Schöneberg wiederum mit anderen diakonisch-sozialen Projekten eingebunden ist, so dass sich viele Menschen über die Gemeinde hinaus für das Neufugium in ihrer Nachbarschaft interessierten und Engagement zeigten. Ein Aufruf zur ehrenamtlichen Mitarbeit stieß auf reges Interesse. Der „Talentspeicher“ wurde als digitale Datenbank eigens zu dem Zweck der Koordinierung von Angeboten und des individuellen Bedarfs der Jugendlichen angelegt.

Dabei beschreitet das Team der Ehrenamtlichen einen ebenso gut koordinierten wie behutsamen Weg. Es werden reichhaltige Angebote gemacht, aber bloß kein Druck! Es gibt großes Verständnis dafür, dass die Jugendlichen Zeit und Ruhe brauchen, um sich zu regenerieren und Kräfte zu sammeln. Das Refugium im „Neufugium“ wird auf allen Ebenen ernst genommen.

Nach einer Zeit des Ankommens gab es von Seiten der Jugendlichen wie von Seiten der Ehrenamtlichen wieder verstärkt Signale, in Austausch miteinander zu treten: Was braucht man? Was kann man selbst gerne geben? Es wurden Ausflüge geplant, gemeinsam gekocht, etc.

Einige der Jugendlichen nehmen die regelmäßigen Sportangebote der Gemeinde wahr, die über sehr großzügige Räumlichkeiten hierfür verfügt. Andere Jugendliche erhalten bei Ehrenamtlichen in der Gemeinde Gitarren- und Schlagzeugunterricht. Ein Kunstprojekt mit den Jugendlichen ist angelaufen, dessen erste Ergebnisse im Dezember 2016 in einer kleinen Ausstellung in den Räumen der Gemeinde gezeigt wurden.

 

Dieses Projekt soll mit Hilfe von Spenden 2017 fortgeführt und um einen Fotokurs ergänzt werden. In beiden Projekten setzen sich die Jugendlichen mit Fragen ihrer Identität und Herkunft auseinander.

„Religion spielt erstmal keine Rolle.“

Und die Religion? Gibt es den Wunsch oder die Erwartung von Seiten der Gemeinde, dass die Geflüchteten am Gottesdienst oder anderen konfessionellen Veranstaltungen teilnehmen? Die Pastorin verneint und meint, es wäre für sie alle, die das machen, ganz komisch, wenn man das Gefühl hätte, die Jugendlichen jetzt bekehren zu sollen. Denn darum geht es nicht: „Es ist nicht das Ziel, dass die jetzt Christen werden sollen.“ Bei der ehrenamtlichen Arbeit der Baptisten in Schöneberg geht es nie darum, dass die einen Christen sind und die anderen nicht, sondern es geht bei all ihrer diakonischen Arbeit einfach darum, Raum zur Verfügung zu stellen, einzuladen, und selbst da zu sein. Der diakonische Auftrag erwächst sehr wohl aus der Religion, jedoch nicht, um daraus Ansprüche oder eigennützige Interessen abzuleiten. Menschen in Not brauchen Schutz. Und entweder man ist bereit, ihnen diesen Schutz zu geben oder nicht. Aber Hintergedanken sollte man dabei nicht haben.

Derzeit gibt es unter den Ehrenamtlichen Bestrebungen, Kontakt zu drei umliegenden muslimischen Verbänden aufzunehmen und so interessierten Jugendlichen bei der Suche nach einem Ort der Religionsausübung behilflich zu sein. Hier wird manchem Trend zum Trotz auf Vertrauen und Respekt gesetzt, im Glauben, dass ein stabiler psychischer Halt in einer vielstimmigen Gemeinschaft dem friedlichen Zusammenleben nur förderlich sein kann.

„Die Senioren haben sehr wenige Berührungsängste.“

Hier in Schöneberg gab es, als die Pläne für das Neufugium öffentlich wurden, keine Proteste in der Nachbarschaft oder dem angrenzenden Seniorenzentrum der Immanuel Diakonie, im Gegenteil: Die kennen und mögen ja das bunte Schöneberg. Die Stimmung unter den Senioren war also, was die Einrichtung der Neufugium-Wohngemeinschaft anging, äußerst entspannt.

Sorgen gab es höchstens, was die Lautstärke angeht – normale Bedenken, die ältere Leute äußern, wenn in der Wohnung neben ihnen eine WG junger Männer entsteht. Sorgen, die sich inzwischen längst zerstreut haben.

Ehrenamtliches Engagement ist weiterhin willkommen

Trotz des bestehenden Unterstützerkreises werden weiterhin ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht. Vornehmlich sollen das junge Menschen sein, die aufgrund ihres Alters vielleicht ähnliche Hobbies haben wie die Bewohner. Wer sich einbringen möchte, kann sich gern und am besten direkt bei der Gemeinde melden.

Ausführliche Informationen zu den Möglichkeiten der Mitarbeit finden Sie auf der Seite der baptisten.schöneberg.

Spenden für künstlerische Projekte

Die Ausstellung „neufugium.dankt“ im Dezember 2016 zeigte Porträts und Selbstporträts der Bewohner, die sie während eines Kunstprojekts angefertigt haben.

In einem pädagogisch angeleiteten Kunstprojekt erstellen die Bewohner des Neufugiums zeichnerische Arbeiten, mit denen sie sich selbst und andere porträtieren. Erste Ergebnisse dieses Projekts wurden im Dezember 2016 in einer kleinen Ausstellung in der Eingangshalle des Gemeindezentrums in Schöneberg gezeigt.

Diese Ausstellung, bei der die Jugendlichen ebenfalls mitwirkten, war auch als kleines Dankeschön an die Gemeinde gedacht. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher hatte es möglich gemacht, dass die Jugendlichen in Berlin ankommen und zur Ruhe kommen konnten. Das Kunstprojekt soll in 2017 fortgesetzt werden.

Ein Gemeinschafts- und Kreativraum im Keller des Wohnhauses wird jetzt bereits für gemeinsame Projekte und die aktive Freizeitgestaltung genutzt. Er soll in den nächsten Monaten weiter hergerichtet und ausgestattet werden, um ihn für verschiedene Aktivitäten nutzbar zu machen.

Es ist außerdem geplant, in 2017 ein Fotoprojekt mit den Jugendlichen anzustoßen.

Werden Sie selbst aktiv

Für all diese Projekte sammelt das Neufugium Geld. Wenn Sie das Projekt unterstützen wollen, dann überweisen Sie uns Ihre Spende auf das Konto des Fördervereins Beratung + Leben e.V.

Die Kontodaten des Fördervereins finden Sie auf der Kontaktseite.

Ein weiteres Beratungsangebot und Spendenprojekt von Beratung + Leben e.V. im Rahmen der Hilfe für Geflüchtete:

„Reden ist Gold“ Gesprächsangebote für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe

 
 
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